Gefährliche Spionage-Apps

„Machen Sie sich Sorgen, dass Ihr Partner Sie betrügt?“

Ein junger Mann soll seine Ex-Freundin mit einer Spionage-App überwacht haben. Nun steht er vor Gericht. Anbieter werben gezielt damit, untreue Partner ausspähen zu können. Doch Nutzer begeben sich auf dünnes Eis.
Wurde die App dem Opfer einmal untergejubelt, lassen sich die Daten des betroffenen Smartphones leicht auslesen. Quelle: dpa
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Wurde die App dem Opfer einmal untergejubelt, lassen sich die Daten des betroffenen Smartphones leicht auslesen.

(Foto: dpa)

Stuttgart/HeilbronnEr wusste, wo sie war, wem sie WhatsApp-Nachrichten schrieb und welche Bilder sie auf dem Handy hatte: Ein 20-Jähriger soll seiner ehemaligen Freundin eine Spionage-App auf ihr Handy gespielt haben – ohne dass die junge Frau davon wusste. Mindestens drei Monate lang soll er sie auf Schritt und Tritt überwacht haben. Nun muss er sich vor dem Amtsgericht Heilbronn (Baden-Württemberg) wegen des Abfangens von Daten verantworten.

Spionage-Apps sind mit wenigen Klicks auf ein Smartphone herunterzuladen – doch wer sie nutzt, bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Wer sie ohne Zustimmung des Telefonbesitzers installiert, kann vor Gericht landen, wie der Heilbronner Fall zeigt. Den App-Anbietern scheint das egal zu sein – sie sprechen gezielt misstrauische Menschen an: „Haben Sie sich schon mal Sorgen gemacht, dass Ihr Partner Sie betrügt?“ Damit werden die Kunden auf dünnes Eis gelockt, rechtlich und moralisch.

So enttarnen Sie Schnüffler auf dem Handy
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Vor dem Download: Kommentare lesen und Rechte hinterfragen

Wenn eine App mehr wissen will, als sie sollte, finden sich darüber recht schnell Kommentare im Appstore. Außerdem sollte sich jeder Nutzer vor dem Download fragen, ob ein einfaches Programm wie eine Taschenlampen-App wirklich auch die Positionsdaten per GPS erfassen muss – oder ob es ihr nicht nur darum geht, Daten zu sammeln und weiter zu reichen.

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Auf die IMEI-Nummer achten

Dank der International-Mobile-Equipment-Identity-Nummer (IMEI-Nummer) lässt sich der Handybesitzer über den Provider eindeutig zuordnen. Dann können die neugierige Apps zu den gesammelten Daten auch die Identität dahinter zuordnen. Bei Android heißt das Rech,t die IMEI-Nummer herauszufinden „Telefonstatuts lesen und identifizieren“.

clueful privacy advisor
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Clueful Privacy Advisor

Download oder kein Download? Bei dieser Frage hilft die App Clueful Privacy Advisor. Dank einer Online-Datenbank, auf die sie zugreift, gibt sie darüber Auskunft, von welchen Apps ein niedriges, moderates oder hohes Risiko für die Privatsphäre ausgeht.

Redphone
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RedPhone

Die NSA überwacht außer dem Internet, auch Telefonate. Wer nicht will, dass jemand mithört kann mit der App RedPhone abhörsichere Internettelefonate zwischen Android-Handys führen.

silent phone
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SilentPhone

Außer Telefonaten verschlüsselt SilentPhone auch Textnachrichten und Mails.

ad network
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Ad Network Scanner & Detector

Viele App-Betreiber sind Mitglied in sogenannten Werbenetzwerken, die das Nutzungsverhalten erfassen. Der Ad Network Scanner & Detector untersucht Apps auf Komponenten von 35 Werbenetzwerken. Nach dem Scan listet die App die aktiven Werbenetze mit Informationen dazu auf, wie die Netze funktionieren und welche Daten sie sammeln. Der Vorteil: Das Programm entdeckt nicht nur Schnüffel-Apps, sondern bietet mit der Opt-Out-Funktion auch an, das Datensammeln einer App für Werbezwecke abzustellen.

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tPacketCapture

Die App schneidet den Datenverkehr von Apps mit und wertet ihn aus. So testet sie, welche Programme auf dem Smartphone besonders neugierig sind.

„Das ist die nächste Eskalationsstufe des Nachstellens neben Stalking“, sagte die Landesbüroleiterin der Opferorganisation Weißer Ring, Claudia Beck. Fotos beträfen die Intimsphäre einer Person. „Das verstärkt beim Opfer das Gefühl, ausgeliefert zu sein“, sagt Beck.

Der junge Mann, der jetzt vor Gericht steht, hat die App nach eigenen Angaben in einem kurzen unbeobachteten Moment, als seine Freundin fünf Minuten das Zimmer verlassen hatte, installiert, wie ein Gerichtssprecher mitteilt. Die Software firmiert als Diebstahlsapp, mit der man ein verloren gegangenes Handy orten kann. Auf dem Handy ist sie nach Angaben des Anbieters nicht durch die typische quadratische App-Schaltfläche zu erkennen, sondern wird als „Device-Management“ aufgeführt – damit wird womöglich der Eindruck erweckt, es handle sich um eine systemrelevante Software.

„Von der Existenz der App bekommt man nichts mit“
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