Gefährliche Straßen
Zu Fuß durch den Großstadt-Dschungel

Die Sicherheit für Fußgänger muss in Städten unbedingt erhöht werden. Sie verunglücken zwar selten im Straßenverkehr. Doch werden sie in einen Unfall verwickelt, dann hat das für Fußgänger schwerwiegende Konsequenzen.
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In deutschen Großstädten zu Fuß unterwegs zu sein, ist relativ sicher. Das ergibt eine neue Studie des Verkehrsclub Deutschland (VCD), die zwischen 2009 und 2013 alle 80 deutschen Großstädte mit über einhunderttausend Einwohnern hinsichtlich der Verkehrssicherheit für Fußgänger untersucht hat. Die Auswertung von Behördeninformationen ergab: Nur zwölf Prozent der im Straßenverkehr verunglückten Personen sind demnach Fußgänger.

Doch diese Zahl ist eben relativ. Denn es gibt noch weitere, deutlich beunruhigendere Ergebnisse: Betrachtet man die bei Unfällen Schwerverletzten, steigt der Anteil der Fußgänger auf 21 Prozent. Und bei den tödlich Verunglückten auf 33 Prozent.

Im Klartext heißt das: Mehr als die Hälfte aller Menschen, die als Fußgänger im Straßenverkehr verunglücken, überleben den Unfall schwer verletzt oder kommen gar ums Leben.

Angesichts dieser Daten lag das Augenmerk der Studie vor allem darauf, was Städte tun, um die Sicherheit für Fußgänger im Straßenverkehr zu erhöhen. Auch das folgende Ergebnis fällt eher unerfreulich aus: Nur in 38 Städten ist die Zahl der Verunglückten der Tendenz nach gesunken. In Bremen ist sie gleich geblieben, und in 41 Städten ist sie gestiegen.

Knapp ein Viertel aller Wege legt Mann oder Frau heute zu Fuß zurück. Doch gerade deshalb, so der VCD in seiner Pressemitteilung zur Studie, erscheinen Fußgänger als „so selbstverständlich, dass diese Gruppe der Verkehrsteilnehmer kaum im Fokus der Verkehrssicherheitsarbeit steht“.

Ingolf Hetzel, Mitglied im VCD-Bundesvorstand, zu den Ergebnissen: „Der Fußverkehr leistet einen wichtigen Beitrag zu einer umweltverträglichen Nahmobilität. Ausdrücklich gefördert wird er jedoch in den seltensten Fällen, hier besteht Nachholbedarf.“ Initiativen wie in Krefeld, wo schon seit 1999 ein Arbeitskreis mit dem Namen „Krefeld Fairkehr“ existiert, seien zu selten.

Die Stadt am Niederrhein hatte Ende der Neunziger Jahre als Reaktion auf die hohe Zahl von Kinderunfällen eine Studie in Auftrag gegeben und ein Handlungskonzept erarbeitet, das seitdem vor allem in einer Reihe von baulichen und verkehrspolitischen Maßnahmen gipfelte: Mehr verkehrsberuhigte Zonen, mehr Tempo-30-Zonen, Ausbau und bessere Markierung von Fußgängerüberwegen, Einengung von Straßen, Mini-Kreisverkehre sowie zusätzliche Bremsschwellen sind nur einige Beispiele. Hierzu kommt eine wesentlich höhere Zahl von Geschwindigkeits- und Parkkontrollen.

Die Strategie zeigt Erfolg: Seit 2008 ist kein Kind oder Jugendlicher in der Stadt mehr bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Insgesamt verunglückten im gesamten Straßenverkehr 77 Kinder und Jugendliche, 20 davon als Fußgänger.

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„Mitnahmeeffekte“ sind zu wenig

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