Gefängnis-Skandal
Dutroux: Schlüssel für Handschellen entdeckt

Ermittler fanden die Schlüssel in der Nähe der Zelle des mutmaßlichen Kindermörders Marc Dutroux. Der belgischen Justiz droht eine weitere Blamage.

HB BRÜSSEL. Schlüssel für Handschellen sind vor der Zelle des 47-jährigen Marc Dutroux im Gefängnis der Provinzhauptstadt Arlon gefunden worden, und die Ermittler gehen Spuren nach, ob Dutroux die Flucht plante. Zahlreiche belgische Medien machten am Donnerstag die Entdeckung der Schlüssel in einem Salzfässchen groß auf. Sie erinnerten an den April 1998, als dem schon wegen früherer Taten rechtskräftig verurteilten Kinderschänder für einige Stunden die Flucht gelungen war.

Seit Beginn des Prozesses am 1. März gegen Dutroux und drei Komplizen machten schon zwei Pannen bei Polizei und Justiz Schlagzeilen. Bei einem Transport Dutroux gleich zu Beginn der Verhandlungen stand die Heckklappe des Polizeiwagens offen. Die Behörden versicherten, eine Flucht wäre dennoch unmöglich gewesen. Später tauchten Bilder vom Gefängnisleben des Angeklagten in den Zeitungen auf. Ein Wärter wurde vom Dienst suspendiert.

Wie die Schlüssel für die Handschellen in einen Kantinenraum nahe der Zelle Dutroux kamen, blieb zunächst unklar. Eine interne Untersuchung und staatsanwaltliche Ermittlungen sollen Licht in die Affäre bringen. Dutroux ließ nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Belga über einen seiner Anwälte ausrichten, er habe von dem Fund am Morgen im Radio erfahren und im übrigen sei es nicht sein Salz, das in dem Küchenraum gefunden wurde.

Diese erneute Panne schlug umgehend hohe Wellen auch in der Politik. Belgiens Außenminister Louis Michel von den Liberalen machte seinem Ärger Luft und spekulierte über eine geplante Flucht. Die sozialistische Justizministerin Laurette Onkelinx wollte später öffentlich Stellung nehmen. Zudem war eine gemeinsame Sitzung wichtiger Regierungsmitglieder geplant. Nach der Flucht 1998 hatten Innen- und Justizminister ihre Hüte nehmen müssen.

Auf die Zeugen im Gerichtssaal von Arlon hatten die spektakulären Nachrichten wohl kaum einen Einfluss. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit erläuterten hinter verschlossenen Türen Mediziner die grausigen Einzelheiten der Autopsieberichte über Julie, Mélissa, An und Eefje. Die beiden damals acht Jahre alten Julie und Mélissa verhungerten und verdursteten laut den Untersuchungsergebnissen und wurden auch missbraucht. Ermittlungsrichter Jacques Langlois hatten bei seiner Aussage bereits aus den Akten der Ärzte zitiert. Auch An (17) und Eefje (19) waren laut seinen Angaben ausgehungert gewesen. Dutroux stellte den Ärzten Fragen, die die Väter der beiden älteren Opfer derart provozierte, dass sie den Gerichtssaal verließen.

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