Gefängnisbrand in Chile
Die Feuerwehr kam erst nach zwei Stunden

Ein Großfeuer in einem chilenischen Gefängnis hat mindestens 81 Häftlinge das Leben gekostet. Womöglich hätten nicht so viele Menschen sterben müssen: Die Feuerwehr kommt erst nach zwei Stunden - die Polizei wollte die Lage erst sichern.
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HB SANTIAGO DE CHILE. Gesundheitsminister Jaime Mañalich sprach vom vielleicht schwersten Unglück in der Geschichte der chilenischen Strafjustiz. Weitere 19 Häftlinge seien verletzt worden. 14 von ihnen hätten sich die Atemwege lebensgefährlich verbrannt, sagte Mañalich. Das Feuer war nach Angaben von Polizeichef Luis Masferrer bei einem Streit zwischen Gefangenen ausgebrochen. Das Unglück sei Ausdruck der prekären Verhältnisse im chilenischen Strafvollzug, fügte er hinzu.

Vor dem Gefängnis San Miguel im Süden der Hauptstadt Santiago de Chile, das mit insgesamt 1900 Insassen völlig überbelegt war, versammelten sich hunderte verzweifelte Angehörige. Sie verlangten Informationen über das Schicksal der Häftlinge. Als Polizeichef Luis Masferrer am Mittwoch per Megafon begann, die Namen von Überlebenden zu verlesen, reagierten Angehörige mit einem Steinhagel. Polizisten und Journalisten brachten sich hinter Fahrzeugen und Bäumen in Sicherheit. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter ein Kameramann. Mindestens eine Frau brach zusammen und erhielt eine Herzmassage. Andere schrien ihre Verzweiflung und Ohnmacht Journalisten und Polizisten ins Gesicht.

„Wir wollen wissen, wer gestorben ist, nicht, wer lebt“, schimpfte ein Mann. „Ich will meinen Sohn sehen“, verlangte eine ältere Frau unter Tränen, die hinter den Absperrgittern eingeklemmt war. Die Angehörigen warteten seit Stunden auf Nachricht über das Schicksal ihrer Männer und Söhne. Da am Dienstag Besuchstag im Gefängnis San Miguel war, hatten sich schon am frühen Morgen hunderte Menschen vor der Haftanstalt versammelt. Gendarmerie-Direktor Masferrer sagte, es werde noch etwa eine Stunde dauern, bis die Angehörigen der Todesopfer informiert seien.

Das Fernsehen zeigte Bilder eines Flügels des Gefängnisses, aus dessen Zellenfenstern und aus dem Dach am frühen Morgen große Flammen schlugen. Die Feuerwehr sei erst zwei Stunden nach dem Ausbruch des Feuers angerückt, berichtete das Fernsehen. Die Polizei habe zunächst die Lage in dem Gefängnis sichern wollen, hieß es.

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