Gegenwind
Watschen für Kleinfeld & Co

Deutschlands junge Star-Manager, allen voran Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, Michael Dieckmann von der Allianz oder Wolfgang Bernhard von Volkswagen haben 2006 gewaltigen Gegenwind verspürt. Was hier geschieht, ist in den Augen vieler Beobachter ein veritabler Kampf verschiedener Denkmodelle.

DÜSSELDORF. Die rechte Hand schnellt in Richtung Kamera. Eine hilflose Geste. "Natürlich ist man hinterher immer schlauer," murrt ein zerknirscht wirkender Klaus Kleinfeld. Der Siemens-Chef versucht an diesem Oktober-Abend in den "Tagesthemen" dem Moderator Tom Buhrow und ein paar Millionen Zuschauern zu erklären, warum Siemens mit bestem Gewissen seine Handy-Sparte mit 3 000 Mitarbeitern an BenQ aus Taiwan verschenkt hat. Und warum niemand ahnen konnte, dass BanQ damit nur ein Jahr später in die Pleite gehen würde.

Der holprige TV-Auftritt ist symptomatisch. Deutschlands junge Star-Manager, allen voran Klaus Kleinfeld, aber auch Michael Dieckmann von der Allianz oder Wolfgang Bernhard von Volkswagen haben 2006 gewaltigen Gegenwind verspürt. Angetreten als Heilsbringer von "Corporate Germany", müssen sie nun erkennen, dass ihre angelsächsisch geprägte Art in Deutschland auf Widerstand stößt.

So werfen dem bereits 2003 gekürten Allianz-Chef nach seinem drastischen Sanierungs- und Sparprogramm nicht mehr ausschließlich Gewerkschaftsvertreter, sondern auch Ex-Führungskräfte vor, sich wie ein Elefant im Porzellanladen zu benehmen. "Ich bin erschüttert", so der frühere Chef der Allianz Versicherung AG, Reiner Hagemann, in einem Zeitungsinterview: "Bei der Allianz geht eine jahrzehntelang gepflegte Führungskultur in die Brüche." Damit bläst Hagemann ins selbe Horn wie die Tausenden protestierender Mitarbeiter, die in den heißen Wochen des Sommers lautstark ihren Unmut über den Plan zeigen, trotz Rekordgewinnen 5 000 Arbeitsplätze abzubauen. Doch Dieckmann ficht das nicht an. Mit der Aussage "Wir müssen uns an der Champions League orientieren" gebraucht er dasselbe Argument, das auch Deutsche-Bank-Boss Josef Ackermann benutzt, um die Notwendigkeit der kontinuierlichen Restrukturierung trotz glänzender Gewinne zu begründen.

Was hier geschieht, ist in den Augen vieler Beobachter ein veritabler Kampf verschiedener Denkmodelle. Während die letzte Managergeneration um Henning Schulte-Noelle oder Heinrich von Pierer trotz zunehmender Ertragsorientierung stets weitere Ziele in ihrem breiteren Wertekatalog verfolgt hat, zeigen sich die jungen Wilden vornehmlich gewinnorientiert. Der typisch deutsche Stakeholder-Ansatz der Nachkriegszeit ist für sie weniger relevant. Kein Wunder: Leute wie Daimler-Chef Dieter Zetsche, Kleinfeld, Bernhard oder auch Dieckmann haben lange in den USA gearbeitet und sind dort stark geprägt worden von der Logik der Kapitalmärkte. Der von ihnen propagierte Wirkungszusammenhang lautet: Nur ein profitables Unternehmen kann auch ein soziales Unternehmen sein.

Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet der vielleicht härteste Hund von allen, Wolfgang Bernhard, bei Volkswagen ins Hintertreffen geriet: Kein Druck von der Straße, nein, Entscheidungen des Eigentümer-Inhabers Ferdinand Piëch haben Bernhard vor ernste Probleme gestellt. Zwar ist seine Leistung als Sanierer unumstritten. Ihm wird sogar ein CEO-Posten bei einem der großen US-Autohersteller zugetraut. Dennoch fasst er bei Volkswagen, dem deutschesten aller deutschen Unternehmen, nicht nachhaltig Tritt. Nach dem Rücktritt des Vorstandschefs Bernd Pischetsrieder und der Berufung des Piëch-Intimus Winterkorn steht der hoch begabte Manager vor der Frage, ob er unter diesen Umständen weitermachen soll. Deutschlands junge Top-Führungskräfte stehen vor einem schweren neuen Jahr.

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