Geheimdienstdokumente
Neue Erkenntnisse über Hitlers Sekretär

Neu veröffentlichte Dokumente des britischen Geheimdienstes geben Aufschlüsse über die Suche nach Hitlers Sekretär Martin Bormann nach Kriegsende. Zwar gab es schon früh Berichte, dass er Anfang Mai 1945 in dem umkämpften Berlin getötet wurde, doch wurde seine Leiche lange Jahre nicht gefunden.

HB LONDON. Das führte in den ersten Nachkriegsjahren zu einer ganzen Serie von angeblichen Sichtungen Bormanns in zahlreichen Ländern Europas und in Südamerika, wie aus den am Dienstag freigegebenen Dokumenten des britischen Nationalarchivs hervorgeht.

So berichtet eine Akte im Oktober 1946, es gebe verlässliche Hinweise, dass Bormann in der Nähe von Schaffhausen in der Schweiz gesehen worden sei. Der Leiter des Parteiapparats der NSDAP wurde nicht gefunden, doch wurde der britische Geheimdienst in den folgenden Jahren förmlich mit Zeugenaussagen bombardiert, die Bormann an vielen Orten der Welt gesehen haben wollten.

Sichtlich genervt notierte ein britischer Geheimdienstler im Jahr 1947, dass der „verstorbene, aber überall umherwandernde Herr Bormann“ derzeit in der Schweiz (“der hartnäckigste Schauplatz“), in Bolivien, Italien, Norwegen und Brasilien gesehen werde. In Brasilien sei Bormann gesehen worden, wie er „neben seinem bleichen Führer“ sitzt, hieß es in dem Eintrag weiter. Mit einem Seitenhieb auf die Medien notierte der Geheimdienstler, die Presse warte fraglos nur darauf, in der Saure-Gurken-Zeit den Knüller zu veröffentlich, „dass er gesehen wurde, wie er auf dem Monster von Loch Ness reitet“.

Bormann, der im Range eines Reichsministers die Zentrale der NSDAP leitete und zu Hitlers engsten Vertrauten gehörte, war zwischenzeitlich bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Doch die Gerüchte, er habe sich ins Ausland absetzten können, hielten sich jahrelang.

Erst 1972 wurde das Geheimnis um sein Schicksal gelöst, als bei Bauarbeiten in Berlin ein Skelett gefunden wurde. Die Knochen wurden später nach zahlreichen wissenschaftlichen Tests als die sterblichen Überreste Bormanns identifiziert. Die Experten kamen zu dem Ergebnis, dass er vermutlich auf eine Zyanidkapsel gebissen hatte. 1973 wurde Bormann von den bundesdeutschen Behörden offiziell für tot erklärt.

Der Historiker Andrew Roberts erklärt, die Suche nach Bormann in den Nachkriegsjahren sei deshalb so intensiv gewesen, weil dieser ein zentrales Glied im Machtsystem des Dritten Reichs gewesen sei. „Er war ganz eng mit der Weitergabe von Befehlen, die mit dem Holocaust zu tun hatten, von Hitler zu Heinrich Himmler betraut“, erläutert Roberts. Bormann sei das Bindeglied zwischen Hitler und dem Reichsführer-SS gewesen und hätte wertvolle Informationen über die direkte Verantwortung Hitlers für den Massenmord an den Juden liefern können.

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