Geldtransporte in Südafrika
Attacke mit Sturmgewehren

In den letzten Jahren sind Geldtransporter in ganz Südafrika immer öfter Zielscheibe brutaler Überfälle geworden. Allein in den 12 Monaten von April 2005 bis März 2006 wurden offiziell rund 400 Angriffe auf sie verübt – ein Anstieg um 74 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Besserung ist nicht in Sicht.

KAPSTADT. Ehe er am frühen Morgen das Haus verlässt, spricht Daniel Ncube stets ein kurzes Gebet. Denn der 36-Jährige weiß, dass jeder Tag sein letzter sein könnte. Der Vater von drei kleinen Kindern hat einen der gefährlichsten Jobs am Kap - er arbeitet als Wachmann für eine Sicherheitsfirma, die Bargeld zu Bankautomaten und Supermärkten transportiert oder von dort abholt.

Erst kürzlich wurden an einem einzigen Tag landesweit gleich neun Geldtransporter überfallen. Ob sich die Lage weiter verschärft, werden die Südafrikaner indes frühestens im nächsten Jahr erfahren. Denn die Polizeiführung weigert sich, regelmäßig Statistiken über das Ausmaß der Gewalt am Kap zu veröffentlichen.

Besorgnis erregend ist für die Begleiter von Geldtransportern wie Daniel Ncube vor allem, dass die Täter immer brutaler agieren. Bei einigen Überfällen blockieren bis zu 30 schwer bewaffnete Gangster ganze Autobahnabschnitte. Letztes Jahr wurden in der Provinz Gauteng nach einem in Wild-West-Manier verübten Überfall nicht weniger als 430 Patronenhülsen gezählt. Der bislang blutigste Überfall ereignete sich jedoch vor drei Wochen in der Provinz Limpopo, als Kriminelle einen Geldtransporter rammten und zum Umkippen brachten. Innerhalb weniger Minuten öffneten die Gangster mit Bolzenschneidern und Äxten das ungepanzerte Dach und bemächtigten sich der Bargeldkassetten. Dann gossen sie einen Kanister Benzin über das Fahrzeug und zündeten es an. Drei der Wachmänner verbrannten bei lebendigem Leib, ein vierter wurde von einem Farmer aus dem Fahrzeug gezogen, aber starb noch an Ort und Stelle.

Selbst in Südafrika, wo viele Menschen gegenüber der Gewalt inzwischen weitgehend abgestumpft sind, löste das brutale Vorgehen der Gangster Entsetzen aus. Polizeichef Jackie Selebi, der seit Jahren mit Durchhalteparolen glänzt, aber wenig bewirkt hat, bildete eine Sonderkommission, die inzwischen vier Verdächtigte festgenommen hat. Solche Erfolge sind die Ausnahme. Die meisten Täter entkommen oder werden nicht verurteilt, weil es am Kap bei der Verbrechensbekämpfung an fast allem fehlt: an kompetenten Polizisten, an einem funktionierenden Untersuchungsapparat aber auch an einer effizienten Rechtsprechung.

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