Generalstreik
Chaos in Frankreichs Überseegebieten

Reifen, Autowracks und Holzkisten blockieren die Straßen, ein Dutzend Menschen wird festgenommen: Der Streit zwischen Arbeitern auf der französischen Karibikinsel Guadeloupe und der Regierung in Paris ist am Montag eskaliert. Den Demonstranten geht es vor allem um mehr Lohn, die Signale aus Frankreich allerdings sind eindeutig.

HB PARIS. Bei neuen Demonstrationen vor allem gegen hohe Preise auf der französischen Karibik-Insel Guadeloupe sind am Montag zwölf Menschen festgenommen worden. Die Polizei schritt ein, nachdem protestierende Einwohner neue Straßenbarrikaden errichteten, wie der Fernsehsender France 24 berichtete. Insgesamt sei die Zahl der Festnahmen damit auf rund 50 gestiegen, hieß es.

Die seit Wochen anhaltenden Demonstrationen auf Guadeloupe richten sich vor allem gegen die hohen Lebenshaltungskosten in dem französischen Überseegebiet. Ein Teil der Demonstranten kritisiert zudem die Machtverteilung. "Wir, die schwarze Mehrheit auf der Insel, leben noch immer wie zu Zeiten der Sklaverei", sagte Gewerkschaftsführer Elie Domota der Zeitung "Le Figaro" (Montag).

Der Generalstreik lähmt bereits seit mehreren Wochen das öffentliche Leben auf der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe. Mittlerweile hat sich die Protestbewegung auf Martinique ausgeweitet. Auch im Übersee-Département Réunion im Indischen Ozean riefen die Gewerkschaften bereits zum Generalstreik auf.

Die Gespräche zwischen den Gewerkschaften und den Regierungsvertretern waren zuletzt ergebnislos abgebrochen worden. Der Dachverband Kollektiv gegen die Ausbeutung fordert die Anhebung niedriger Gehälter. Paris lehnt eine finanzielle Unterstützung ab und setzt auf Verhandlungen der Sozialpartner. Unter den Arbeitgebern sind überdurchschnittlich viele Weiße, die Nachkommen früherer Sklavenhändler sind oder aus Festland-Frankreich kommen. Ihnen gilt der Ruf der Demonstranten, die bei den Protestmärschen skandieren: "Guadeloupe gehört uns, nicht euch".

Präsident Nicolas Sarkozy hatte Ende vergangener Woche eine gesonderte Ministerrunde angekündigt, die sich mit der Lage in den Überseegebieten beschäftigen soll. Nach Informationen der Zeitung "Libération" hat die Regierung zusätzliche Polizeieinheiten nach Guadeloupe verlegen lassen.

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