Genetik
Varianten im Erbgut entschlüsselt

Die Ergebnisse einer der umfangreichsten Studien über das menschliche Erbgut bestätigen die Erkenntnisse, dass der Mensch von Afrika aus die Erde besiedelte. Im Erbgut finden sich jedoch feine Varianten, die eine genauere Herkunftsbestimmung möglich macht.

HB WASHINGTON. Die bislang größte genetische Studie ihrer Art zeichnet den Weg des Menschen von Afrika in alle Welt so detailliert nach wie nie zuvor. Europa war nach Afrika und den Nahen Osten demnach die dritte eroberte Region. Und noch heute unterscheiden die feinen Varianten im Erbgut etwa Menschen aus der Toskana von jenen im Rest Italiens. Das Genom dividiert auch Basken und Franzosen auseinander.

Die Gruppe um Jun Li von der Stanford University School of Medicine hatte für ihre Studie das Erbgut von 938 nicht verwandten Menschen aus 51 weltweit verteilt lebenden Gruppen miteinander verglichen. Damit bestätigten die Forscher einmal mehr, dass die Welt vom südlichen Afrika aus besiedelt wurde.

Den Wissenschaftlern zur Folge wurden das Südliche Afrika, Nordafrika, der Nahe Osten, Europa, Zentral- und Südasien, Ozeanien und zum Schluss Amerika besiedelt. Nachdem eine Region besiedelt war, brach jeweils eine kleine Gruppe neuer Gründerväter zu neuen Ufern auf.

Die Daten der 51 Gruppen werden nun in einem neuen Stammbaum zusammen gefasst, den die Wissenschaftler in der Region Europa in acht Zweige teilen: Menschen aus der Toskana, Sardinien, Italien, dem Baskenland, Franzosen, Schotten von den Orkneyinseln, Russen und die zu den Russen gerechneten Adygei aus dem westlichen Kaukasus.

Es ist aber davon auszugehen, dass es in Europa weit mehr Gruppen gibt. Viele Europäer ließen sich mit dem bisherigen Verfahren zudem nicht so genau voneinander unterscheiden.

Die Untersuchung zeigt auch, dass die im Süden Afrikas lebenden Buschmänner an der Wurzel des Stammbaumes stehen. Womöglich hätten sich auch hier noch weitere Gruppen unterscheiden lassen.

Die Forscher nutzten für ihre Untersuchung feine Unterschiede im Genom. Die Abfolge der rund 3,2 Milliarden Bausteine ähnelt sich von Mensch zu Mensch fast vollständig. In einigen Fällen aber entstehen Fehler: Dann ist ein Baustein gegen einen anderen ausgetauscht. Dieser Austausch, der sogenannte SNP (single nucleotid Polymorphism), bleibt oft ohne Folgen, wird aber an die Nachkommen weitergegeben. Über lange Zeit hinweg entsteht dann in einzelnen Regionen ein Muster dieser SNPs im Erbgut.

Wandert eine Gruppe schließlich auf einen neuen Kontinent, nimmt sie auch diese Muster mit und gibt sie weiter. Deren Analyse verrät daher viel über die Herkunft und Vorfahren eines Menschen - Asiaten haben eine andere Verteilung von SNPs als Europäer oder Afrikaner. Die Unterschiede wachsen sowohl mit der zeitlichen als auch der räumlichen Entfernung zu den Urvätern- und müttern im Südlichen Afrika

.

Die Forschergruppe nutzte für ihre Studie das genetische Material des Human Genome Diversity Project (HGDP), dem insgesamt 1064 Menschen aus 51 Regionen ihre genetischen Daten zur Verfügung gestellt hatten. Die neuen Resultate bestätigen zahlreiche ähnlich lautende Resultate aus den vergangenen Jahren, liefert aber viel mehr Details.

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