Genießer dürfen sich freuen
Europäische Winzer fürchten Verluste

Für viele Hersteller dürfte die gute Qualität des Jahrgangs nur ein schwacher Trost sein. So muss sich die spanische Weinindustrie nach Angaben von Agrar- und Winzerverbänden bei einem Produktionsrückgang von rund zehn Prozent auf Einbußen in Höhe von 100 Millionen Euro einstellen. Ursprünglich hatte man für die diesjährige Ernte mit rund 45 Millionen Hektolitern gerechnet.

HB/dpa MADRID/PARIS/ROM. In Italien haben viele Weinbauern bis zu 20 Tage früher mit der Ernte begonnen als geplant. Die Winzervereinigung rechnet mit einer Gesamtlese von rund 47 Millionen Hektolitern Wein. Diese Menge läge nur knapp über dem Ergebnis von 2002, das mit 44,6 Millionen Hektolitern als eines der niedrigsten der vergangenen 50 Jahre galt.

Die Qualität bereitet kaum Sorgen. Vor allem bei den RotWeinen wird wegen des hohen Zuckergehalts in den Trauben ein exzellentes Resultat erwartet. Bei den Preisen für italienische Weine wird mit einem Anstieg zwischen 5 und 20 Prozent gerechnet. Das wäre eine ähnliche Entwicklung wie im vergangenen Jahr.

Auch in Frankreich sind die Erwartungen hoch. Nach Angaben des Nationalen Winzerverbandes hat man seit 25 Jahren nicht mehr so ein gutes Weinjahr erlebt, obwohl 2003 nicht an das besondere Jahr 1947 heranreichen dürfte. Trotz geringer Lesemengen geht man von stabilen bis guten Preisen in Prestige trächtigen Anbaugebieten wie Bordeaux oder Beaujolais aus.

Bei Champagner wird hingegen 50 Prozent weniger Ertrag befürchtet. Der Verlust soll jedoch durch die Qualität wettgemacht werden. Der Preis der weltweit teuersten Weintrauben aus der Champagne, die im vergangenen Jahr 4,10 Euro pro Kilo kosteten, dürfte in diesem Jahr um weitere vier Prozent steigen.

In Spanien haben besonders die Anbaugebiete im Süden unter den extremen Temperaturen und der wochenlangen Dürre gelitten. Da die Wärme die Trauben früher als sonst hat reifen lassen, wurde in einigen Regionen bereits mit der Weinlese begonnen. In Andalusien und in La Mancha in Zentralspanien wurde sie um zehn Tage vorgezogen. Wegen der mancherorts noch immer drückenden Hitze wird in Andalusien derzeit nachts mit Hilfe großer Scheinwerfer geerntet.

In Nordspanien hingegen hatte die Hitze geringeren Einfluss auf die Trauben. In La Rioja rechnet man sogar mit einem größeren Ertrag als im Vorjahr, in dem gut 284 Millionen Kilogramm Trauben aufgelesen wurden. Auch im Weinbaugebiet Ribera del Duero werden keine größeren Verluste erwartet. Die Lese wird hier voraussichtlich wie geplant Ende September beginnen.

Die Nutznießer des Jahrhundertsommers dürften die Liebhaber besonders guter Weine werden. Presseberichten zufolge zeichnet sich in ganz Spanien ein Jahrgang ab, der an den „exzellenten“ von 1995 heranreichen könnte. Die Kombination aus extremer Hitze und niedriger Luftfeuchtigkeit führt zu einem erhöhten Alkohol- und Zuckergehalt der Trauben, aus denen sich daher besonders guter Most gewinnen lässt.

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