Georg Ratzinger will "Nesthäkchen" Joseph schnell wiedersehen
Der Bruder des Papstes

Georg Ratzinger, der Bruder des neuen Papstes Benedikt XVI., möchte den Kontakt zu "Nesthäkchen" Joseph auf jeden Fall aufrecht halten. Die beiden waren als Kinder unzertrennlich.

HB REGENSBURG. „Mein Bruder wird ganz bestimmt nicht Papst. Einem Mann in diesem Alter vertraut man normalerweise keine so verantwortungsvolle Aufgabe mehr an“, hatte der langjährige Leiter der weltberühmten Regensburger Domspatzen vor Beginn des Konklaves gesagt.

Seitdem hatte auch der 81-jährige Georg Ratzinger keinerlei Kontakt mehr zu seinem Bruder. Er war wie jeder andere auf die Medien angewiesen und blickte am Dienstagabend gebannt auf den Fernseher. Normalerweise telefonierten die beiden fast täglich miteinander seit Joseph Ratzinger 1982 als Präfekt der Glaubenskongregation nach Rom ging. Die Brüder waren seit ihrer Kindheit eng miteinander verbunden. Bis zum Tod der Schwester Maria 1991 galt dies auch für sie. Maria folgte dem „Nesthäkchen“ Joseph auf allen Stationen und führte ihm den Haushalt.

Die Geschwister wuchsen zusammen in Oberbayern auf. Die Brüder besuchten noch vor dem Zweiten Weltkrieg das Erzbischöfliche Knabenseminar in Traunstein, die „Kaderschmiede“ für angehende Priester. Beide studierten danach Theologie, beide wurden am 29. Juni 1951 in Freising zu Priestern geweiht. Danach trennten sich die beruflichen Wege.

Joseph Ratzinger verfolgte seine Karriere als Kirchenlehrer konsequent und wurde mit nicht einmal 30 Jahren Professor. Stationen an den Universitäten Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg folgten. Dort kreuzten sich die Wege der Brüder wieder für einige Jahre. Georg hatte inzwischen zusätzlich Kirchenmusik studiert und war seit 1964 Domkapellmeister in Regensburg. 1965 fuhr er mit den Domspatzen zum Vatikanischen Konzil nach Rom. Vor 2000 Bischöfen dirigierte er im Petersdom den ältesten Knabenchor der Welt. Dort traf er seinen Bruder Joseph: Der junge Professor war als Konzilsberater in der „Ewigen Stadt“.

Als Joseph Ratzinger 1977 im Münchner Liebfrauendom zum Erzbischof von München und Freising geweiht wurde, sangen natürlich die Domspatzen. 1985 trällerten sie Johannes Paul II. ein Ständchen in dessen Privaträumen im Vatikan. Der inzwischen zum engen Vertrauten des polnischen Papstes aufgestiegene Kurienkardinal Joseph Ratzinger hatte das für seinen Bruder eingefädelt. Er schwärmte Karol Wojtyla von der „unnachahmbaren Klangschönheit“ des Knabenchores aus seiner bayerischen Heimat vor.

2001 feierten die Ratzinger-Brüder miteinander im Münchner Liebfrauendom Goldenes Priesterjubiläum. Wann immer es ging, hielten die Geschwister Kontakt. „Mein Bruder kommt jedes Jahr etwa vier Mal für mehrere Tage zu mir“, berichtet der Ältere, der seit 1994 Ruhestandspriester am Regensburger Kollegiatstift St. Johann ist. Früher ist er öfter nach Rom gefahren. Doch seit die Augen nicht mehr mitmachen, sind solche Reisen zu beschwerlich. Nichts wünscht sich Georg Ratzinger zum Lebensabend mehr als regelmäßige Wiedersehen mit seinem Bruder. Dessen Wahl zum Papst macht die Erfüllung dieses Wunsches nicht gerade einfach.

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