Gepanschter Alkohol
Tschechien verbietet Schnaps

Mindestens 20 Menschen starben in Tschechien nach dem Genuss vergifteten Alkohols. Nun zieht das Land mit einem Schnapsverbot die Notbremse. Mittlerweile sind weitere Länder betroffen, verdächtige Flaschen tauchten auf.
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PragNach einer beispiellosen Serie von mindestens 20 Toten geht in Tschechien die Angst vor gepanschtem Alkohol um. Die Ansage von Gesundheitsminister Leos Heger ist klar: Solange sich weiter Menschen mit dem Industriealkohol Methanol vergiften oder gar sterben, bleibt hochprozentiger Schnaps landesweit unter Verschluss. Dennoch erfasst die gefährliche Vergiftungswelle immer mehr Regionen.

Auch in den Nachbarländern schürt das Ängste. Behörden in Sachsen haben bereits vor dem Einkauf von verdächtigen Flaschen im Grenzgebiet gewarnt. Polen verhängte sogar ein komplettes Einfuhr- und Handelsverbot für tschechische Spirituosen.

In der Partymetropole Prag fließt der Alkohol weiter in Strömen. Man weicht auf Wein oder Bier aus. „Wir bieten Fruchtcocktails an oder mischen spanischen Sangria mit Früchten und Obstsaft“, sagt Jesus Castillo von der lateinamerikanischen Bar „Casa Blu“ im Stadtzentrum. Die alkoholfreien Mojitos und Piña Coladas haben sich hier über Nacht zu wahren Rennern entwickelt. Unbemerkt bleibt das Schnapsverbot jedoch auch hier nicht. „Wir haben natürlich Verluste, weil die Leute abends gern harten Alkohol trinken.“

Die Gastwirtschaft in dem Land, in dem besonders viele Besucher aus Deutschland und Österreich Urlaub machen, fürchtet dramatische Einnahmeeinbußen wegen der Todesserie. Nicht nur die Wirtschaft, auch die Staatskasse bekommt die „Prohibition“ zu spüren. Nach Prager Medienberichten entgehen dem Fiskus jeden Tag umgerechnet fast eine Million Euro an Einnahmen aus der Branntweinsteuer.

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