Gerichtsbeschluss akzeptiert
Kusch bietet keine Sterbehilfe mehr an

Fünf ältere Menschen hatte der ehemalige Hamburger Justizsenator Kusch beim Suizid begleitet. Jetzt ist Schluss: Der umstrittene Sterbehelfer will sich einem gerichtlichen Verbot seiner Tätigkeit fügen. Seinen Meinungswandel begründete der Jurist auch mit den Schwierigkeiten, in Deutschland, auf legale Weise an entsprechende Medikamente zu kommen.

HB HAMBURG. „Ich finde diese Entscheidung zwar falsch“, sagte der frühere Hamburger Justizsenator nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ vom Freitag, „ich werde den Beschluss aber respektieren, ich biete die Suizidbegleitung nicht mehr an.“

Das Verwaltungsgericht Hamburg hatte vor zwei Wochen Kuschs Klage gegen ein im November von der Polizei ausgesprochenes Verbot der Sterbehilfe einstweilig zurückgewiesen. Das Verbot ist bis zu einer Entscheidung in einem Hauptverfahren wirksam.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kusch wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz, also des unerlaubten Abgebens und Handels mit Medikamenten. Bei den Obduktionen der Verstorbenen wurden Überdosen an Malaria- und Schlafmitteln festgestellt.

Kusch will offenbar zumindest bis zu einem Ende der Prozesse aus der Sterbehilfe aussteigen: „Derartigen obrigkeitsstaatlichen Druck will ich den Sterbewilligen und mir künftig ersparen“, sagte Kusch.

Seinen Meinungswandel begründet der Jurist mit den Schwierigkeiten, in Deutschland, auf legale Weise an entsprechende Medikamente zu kommen: „Sie müssen immer mit Tricks und Heimlichkeiten arbeiten“, sagt er, „und das finde ich am Lebensende unwürdig“. Menschen, die sich weiterhin bei ihm melden, werde er raten, sich an Schweizer Organisationen wie Dignitas zu wenden.

Der ehemalige Hamburger Justizsenator Kusch hatte fünf ältere Menschen beim Suizid begleitet. Zuletzt nahm sich Ende November eine 97-Jährige aus Bergisch Gladbach auf diese Weise das Leben.

Kusch war von 2001 bis 2006 Justizsenator in Hamburg. Bereits während seiner Amtszeit war der damalige CDU-Politiker umstritten. Nach seinem Austritt aus der Union trat er bei der Bürgerschaftswahl 2008 erfolglos mit einer eigenen Partei an, die die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe forderte. Im September 2007 gründete er den „Dr. Roger Kusch Sterbehilfe e.V.“, im März stellte er einen von ihm entwickelten Selbsttötungsautomaten vor. Kusch verlangte bis zu 8 000 Euro für die Sterbebegleitung.

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