Gerippe aus Stahl
Großfeuer zerstört Wolkenkratzer in Madrid

Ein Großfeuer hat einen unbewohnten Wolkenkratzer im Herzen des Madrider Finanzviertels zerstört. Von dem 106 Meter hohen Bürohochhaus, dem achthöchsten Gebäude in der spanischen Hauptstadt, blieb am Sonntag praktisch nur noch ein Gerippe aus Stahl übrig.

HB MADRID. Sieben Feuerwehrleute erlitten bei dem Inferno leichte Rauchvergiftungen, teilte Madrids Bürgermeister Alberto Ruiz-Gallardón mit. Ansonsten wurde niemand verletzt.

Die Feuerwehr brachte die Flammen nach zwölf Stunden weitgehend unter Kontrolle. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Überreste des Gebäudes ganz oder teilweise einstürzen“, sagte Einsatzleiter Fernando Munilla. „Die Struktur ist äußerst instabil.“ Bei einem Einsturz könnten auch die Straßentunnel unter dem Hochhaus Schaden nehmen. Demgegenüber hielt der Madrider Präfekt Constantino Méndez einen Einsturz für unwahrscheinlich. Das Gebäude werde später abgerissen. „Es ist nur noch eine Ruine“, sagte Méndez. „Da ist nichts zu retten.“

Das Feuer war am Samstag gegen 23.20 Uhr in der 21. Etage des „Torre Windsor“ (Windsor-Turm) entdeckt worden. Als Ursache wurde ein Kurzschluss vermutet. Die Flammen breiteten sich mit rasender Geschwindigkeit in die oberen und unteren Stockwerke aus. Große Mengen an Büromaterial, Papier und Kunststoff gaben dem Feuer immer neue Nahrung. „Der Wolkenkratzer brennt wie ein Kartenhaus“, meinte ein Augenzeuge. Als die Feuerwehr eintraf, standen bereits drei der insgesamt 31 Stockwerke in Flammen.

Immer wieder stürzten brennende Trümmer und Fassadenteile in die Tiefe. Im Innern des Flammen-Infernos herrschten nach Angaben von Experten Temperaturen von bis zu 1000 Grad. Die Feuerwehr konzentrierte sich darauf, ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Gebäude zu verhindern. „Der Brand war von seiner Ausdehnung her der größte in der Geschichte der Stadt“, sagte der Bürgermeister.

Hunderte von Nachtschwärmern aus den umliegenden Bars, Restaurants und Kneipen verfolgten das Spektakel. Spanische Fernsehsender unterbrachen ihr Programm und sendeten Sonderberichte vom Unglücksort. Benachbarte Häuser wurden aus Sicherheitsgründen geräumt. Auf einer Eisenbahn- und drei U-Bahnlinien, deren Tunnel unterhalb der Unglücksstelle verlaufen, wurde der Betrieb vorerst eingestellt.

Das gut 25 Jahre alte Hochhaus, das größtenteils von einer Buchhaltungsfirma genutzt worden war, hatte sich im Umbau befunden. Es liegt in einem Büro- und Geschäftsviertel nördlich des Stadtzentrums, unmittelbar neben einem unterirdischen Bahnhof und einem Knotenpunkt der U-Bahn. In der Nähe des Wolkenkratzers befinden sich ein riesiges Kaufhaus der Kette El Corte Inglés, der Sitz der Großbank BBVA und ein Gebäude der Bank Santander Central Hispano.

Der Bürgermeister ordnete aus Sicherheitsgründen bis auf weiteres die Sperrung dieser Gebäude an. Ein Abriss der Hochhaus-Ruine galt als ein äußerst kompliziertes Unterfangen. „Wahrscheinlich müssen die Reste Stück für Stück demontiert werden“, sagte ein Experte. Der Architekt Genaro Alas, einer der Bauherren des Windsor-Turmes, stellte die Frage, weshalb die Brandschutz-Vorkehrungen nicht funktionierten. „Die Vorschriften sind bei Hochhäusern besonders streng. Irgendetwas muss versagt haben.“

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