Germanwings-Absturz
Co-Pilot hegte Selbstmordabsichten

Die „Soko Alpen“ untersucht den Absturz der Germanwings-Maschine. Die neuste Erkenntnis: Co-Pilot Andreas L. galt vor seiner Karriere als Pilot als selbstmordgefährdet – und war bis zuletzt in psychiatrischer Behandlung.
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Düsseldorf„Soko Alpen“ heißt die Düsseldorfer Ermittlergruppe, die den Absturz der Germanwings-Maschine, Flug 4U 9525, untersucht. Etwa 200 Ermittler sind mit dem Fall betraut. Ein Ergebnis ihrer Recherchen veröffentlichte nun die Staatsanwaltschaft Düsseldorf: Co-Pilot Andreas L., der den Airbus offenbar bewusst in den französischen Alpen abstürzen ließ und 149 Menschen mit in den Tod riss, ist vor Jahren wegen Selbstmordabsichten behandelt worden. Außerdem war er auch zuletzt noch in psychiatrischer Behandlung.

„Der Co-Pilot war vor mehreren Jahren – vor Erlangung des Pilotenscheines – über einen längeren Zeitraum mit vermerkter Suizidalität in psychotherapeutischer Behandlung“, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft. „Im Folgezeitraum und bis zuletzt haben weitere Besuche bei Fachärzten für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie mit Krankschreibungen stattgefunden, ohne dass Suizidalität oder Fremdaggressivität attestiert worden ist.“

Die Lufthansa äußert sich nicht inhaltlich zu neuen staatsanwaltschaftlichen Erkenntnissen über die Krankengeschichte des Co-Piloten. „Wir haben die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis genommen. Zu Erkenntnissen über eine psychotherapeutische Behandlung oder etwaige Arztbesuche können wir uns nicht äußern“, sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft am Montag in Frankfurt. Die ärztliche Schweigepflicht gelte auch gegenüber dem Arbeitgeber.

Wie bereits bekannt geworden war, hatte Andreas L. seine Ausbildung vor sechs Jahren für mehrere Monate unterbrochen. Später bestand der 27-Jährige alle Prüfungen. Nach Lufthansa-Angaben war er zunächst als Flugbegleiter tätig, bis er ab 2013 als Pilot eingesetzt wurde. Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr waren die fliegerischen Leistungen von Andreas L. einwandfrei. „Er war 100 Prozent flugtauglich. Ohne jede Auffälligkeit.“

Dass Andreas L. am Tag, als er sich offensichtlich im Cockpit einschloss und den Sinkflug des Airbus einleitete, krankgeschrieben war, fanden die Ermittler heraus, als sie die Wohnung des 27-Jährigen durchsuchten. Seinen Arbeitgeber hatte der Pilot nicht über die Krankschreibung informiert.

Um alle Hintergründe zu erfahren, wertet die „Soko Alpen“ die bislang sichergestellten Beweismittel aus. Zudem wurden Zeugen aus dem persönlichen und beruflichen Umfeld des Co-Piloten vernommen. Hinweise auf ein Motiv hätten sich daraus bislang aber nicht ergeben, hieß es. Ein Abschiedsbrief oder ein Bekennerschreiben wurde in der Wohnung nicht gefunden. Es gebe auch keine Anzeichen für eine körperliche Erkrankung.

Welche Ärzte Andreas L. zuletzt aufgesucht hatte und ob er auch zuletzt wegen psychischer Probleme in Behandlung war, darüber macht die Staatsanwaltschaft Düsseldorf keine Angaben. Auf Fragen nach Berichten über Probleme des Co-Piloten mit seinem Sehvermögen sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Ermittler, dass es keine Unterlagen gebe, die zeigten, dass der Co-Pilot irgendeine körperliche Krankheit gehabt habe, die sich auf sein Sehvermögen ausgewirkt haben könnte.

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„Abgeklungene schwere depressive Episode“

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  • Ach Querulant... sorry: Queri,

    wenn das, was dabei rauskomt, Ihnen nicht passt, werden Sie sich sowieso wieder hinstellen und behaupten, dass alles gelogen ist.

    Dass einen Banane meistens einfach nur eine Banane ist, auch wenn es immer wieder jemanden gibt, der irgendwo in den Tiefen des Netzes den "unwiederlegbaren" Beweis findet, dass die gar nichts anderes als ein Apfel sein kann und jeder, der die Banane eine Banane nennt, ein Lügenbold ist - ist leider so. Aber dass es Leute gibt, die immer wieder darauf anspringen.... tststs

  • Tja erwischt.... keine andere Reaktion eingefallen als zu schimpfen? Bisschen wenig....

  • @Herr Volker Spuhn
    - Besonders aber den Angehörigen des Beklagten, die sich jetzt ihr Leben lang ein unaufhörliches Spießrutenlaufen ausgesetzt sind. -

    Die Angehörigen des Beklagten werden wissen, was mit ihm "los" war.
    Wenn dann nur Teile davon stimmen, ist ein "unaufhörliches Spießrutenlaufen" nur ein kleiner Teil der Strafe.
    Mitwisserschaft müßte in diesem Fall viel härter bestraft werden.

    Was wäre denn gewesen, wenn die Maschine in Marseille aufgeschlagen wäre?

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