Germanwings-Absturz
Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Nach dem Germanwings-Absturz in den Alpen ermittelt die französische Justiz in alle Richtungen. Die Marseiller Staatsanwältin widerspricht Spekulationen, wonach ausschließlich Lufthansa angeklagt werden könnte.
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ParisDie Marseiller Staatsanwaltschaft bereitet nach Aussage der stellvertretenden Staatsanwältin Catherine Alexandre bei den Ermittlungen zum Absturz des Germanwings-Airbus am 24.März in den französischen Alpen keine Konzentration oder Verengung auf die Lufthansa als möglicher Verantwortlicher vor. „Wir haben keinen Anlass, unsere Untersuchungen zu modifizieren“, sagte Alexandre dem Handelsblatt.

Die richteten sich gegen „alle natürlichen oder juristischen Personen, die zum Unfallgeschehen beigetragen haben könnten“. Anders als in Deutschland könne nach französischem Recht bei fahrlässiger Tötung auch gegen Unternehmen ermittelt werden.

Dies sei sowohl vom Untersuchungsauftrag als auch vom Rechtshilfeersuchen an die deutschen Behörden von Anfang an erfasst gewesen, sagte die engste Mitarbeiterin des leitenden Staatsanwalts Brice Robin: „Per Definition suchen wir nach allen, die zum Absturz beigetragen haben.“ Germanwings und Lufthansa zählen also zum Kreis derer, gegen die ermittelt werden kann. Sich aber ausschließlich auf die Unternehmen zu konzentrieren, sei nicht beabsichtigt.

Die internationale Kooperation geht mittlerweile weit über eine deutsch-französische Zusammenarbeit hinaus. Ende vergangener Woche hielten sich Robin und Alexandre zwei Tage in Den Haag auf, um im Rahmen von Eurojust über den Stand der Nachforschungen zu beraten.

Eurojust ist die 2002 geschaffene EU-Einheit für die Justiz-Zusammenarbeit. Im Falle der vom Kopiloten Andreas L. nach jetzigem Kenntnisstand bewusst zum Absturz gebrachte Germanwings-Maschine kooperiert Frankreich mit Deutschland, Spanien, Großbritannien, den Niederlanden und Belgien.

Bei den Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gehe es nicht um irgendwelche Nachlässigkeiten, die indirekt eine Rolle beim Zustandekommen des Unfalls gespielt haben könnten, präzisierte Alexandre: „Wir suchen nach einer offenkundigen, bewussten Verletzung von Auflagen und Verpflichtungen.“ 

Die Schwelle für eine spätere mögliche Anklage liegt also recht hoch. In verschiedenen deutschen Medien wird spekuliert, dass die Staatsanwaltschaft eine Anklage gegen Lufthansa vorbereite, etwa weil keine Konsequenzen aus einer früheren depressiven Erkrankung des Germanwings-Piloten gezogen worden seien.

  

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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