Germanwings-Absturz
Schüler aus Haltern kritisiert „sensationsgeile“ Medien

In einem bewegenden Brief hat ein Schüler aus Haltern das Verhalten der „Sensations-Journalisten“ nach dem Absturz der Germanwings-Maschine kritisiert. Bei Twitter etablierte sich das Hashtag #lassthalterntrauern.
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HalternWie weit dürfen Medien gehen? Welche Informationen sind wichtig, welche überflüssig, welche übergriffig? Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine über Südfrankreich in der vergangenen Woche werden diese Fragen im Netz kontrovers diskutiert.

In seinem Blog hat ein Schüler des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern nun seine Erlebnisse in den Stunden und Tagen nach Bekanntwerden der Katastrophe zusammengefasst – und hob die Diskussion damit nochmals auf eine neue Ebene.

In einem Offenen Brief wendet sich Mika Baumeister direkt an „die Sensations-Journalisten“, die sich an keine Absperrung gehalten hätten und die Trauernden an seiner Schule (16 Schüler und zwei Lehrerinnen kamen bei dem Flugzeugabsturz ums Leben) offenbar belauerten und begafften. Er und seine Mitschüler hätten sich wie „exotische Tiere im Tierpark“ gefühlt, beklagt Mika Baumeister.

Zu seinem großen Entsetzen hätten die meisten Pressevertreter vor Ort den nötigen Abstand nicht eingehalten. Schlimmer noch: Es seien sogar Schüler für Interviews bestochen worden.

In einem Video-Interview mit dem Blogger und Journalisten Richard Gutjahr berichtet Mika Baumeister zudem, ein Journalist hätte sich als Notfallseelsorger verkleidet, um an noch mehr Informationen zu gelangen. Ein anderer als Lehrer. Er wisse auch, dass Schülern Geld angeboten worden sei, damit sie Tonaufnahmen von der ersten Schulstunde nach dem Unglück machen, so Baumeister.

Sichtlich bewegt kritisiert er die „Sensationsgeilheit“ der Medien, die immer noch einen Schritt näher an die Trauernden herangingen und quasi den Zwang hätten, rund um die Uhr zu berichten, obwohl das keinerlei journalistischen Mehrwert bringe.

Doch der Schüler richtet sich auch an die Leser, Zuschauer und Nachrichtenkonsumenten: „Vermeiden Sie, die reißerischen Neuigkeiten zu lesen. Sie finanzieren als Leser im Prinzip die Journalisten, die letzten Endes bei den Angehörigen vor der Haustüre stehen“, so Baumeister. Seriöse Portale böten bessere Infos, hetzten weniger und seien „generell objektiver“. Vielleicht sei die Zwangsabgabe an ARD, ZDF und die Dritten „gar nicht so verkehrt“.

Seite 1:

Schüler aus Haltern kritisiert „sensationsgeile“ Medien

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Viel Anerkennung bei Twitter

Kommentare zu " Germanwings-Absturz: Schüler aus Haltern kritisiert „sensationsgeile“ Medien"

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  • schade das ich keinen Journalisten der bekanten "Systemmedien" in Deutschland persönlich kenne... würde gern wissen wie so jemand ticken muss der wirklich sein ganzes Leben alles und jeden belügt...

    PS: Nein ich meine hier keine Journalisten die berichten das Bayern gegen Bremen 4:0 gewonnen hat, sondern wichtige politische & wirtschaftliche Themen.

  • Die MEDIEN,
    das sagte einer der "wirklich ganz großen Medienvertreter" - also einer der ihren schon vor über 100 Jahren zur angeblich soooooooooooooooooooo freien und unabhängigen Presse. Besser kann man das nicht formulieren !!!

    John Swinton (1829-1901), amerikanischer Journalist
    "Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unsere Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte."

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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