Germanwings
Co-Pilot lässt 4U 9525 absichtlich abstürzen

Entsetzliche Erkenntnis: Der deutsche Co-Pilot brachte die Germanwings-Maschine 4U 9525 offensichtlich mit Vorsatz zum Absturz. Warum ist unklar. Passagiere ahnten erst wenige Sekunden vor dem Aufprall etwas.
  • 16

MarseilleDer Copilot der verunglückten Germanwings-Maschine hat den Airbus mit 150 Menschen an Bord offensichtlich mit Absicht in die Katastrophe gesteuert. „Es sieht so aus, als ob der Copilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört hat“, sagte Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag in Marseille. Der 28-Jährige sei zu dem Zeitpunkt allein im Cockpit gewesen, der eigentliche Pilot sei aus der Kabine ausgesperrt gewesen. Schreie von Passagieren seien auf dem Stimmenrekorder erst in den letzten Sekunden vor dem Aufprall zu hören. Sie seien offensichtlich bis dahin ahnungslos gewesen.

Hinweise auf einen Terrorakt gebe es nicht. Die Motive des 27-Jährigen aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur sind unklar. Die Staatsanwälte erwägten nun Ermittlungen wegen eines Tötungsdeliktes. Rettungskräfte bargen erste Opfer des Flugzeugabsturzes in den französischen Alpen. Vielerorts in Deutschland versammelten sich Menschen zu einer Schweigeminute für die 150 Insassen, von denen 72 Deutsche waren.

Der Pilot hatte nach Erkenntnissen der Ermittler das Cockpit verlassen, um auf die Toilette zu gehen, und das Kommando seinem Kollegen übergeben. Als er zurück ans Steuer wollte, habe er die automatisch verriegelte Kabinentür nicht mehr öffnen können, schilderte der Staatsanwalt. Die plausibelste Deutung gehe dahin, dass der Copilot vorsätzlich verhindert habe, dass die Tür geöffnet werde. Auf Ansprache des Towers habe der Mann nicht reagiert. Ein Notruf sei nicht abgesetzt worden.

Laut Robin war der Co-Pilot Andreas L. nicht als Terrorist erfasst. Bekannt war bereits, dass der Mann seit 2013 bei Germanwings beschäftigt war und aus Montabaur in der Nähe von Koblenz stammte.

Der Stimmenrekorder habe bis zuletzt schweres Atmen aus dem Cockpit aufgezeichnet, gesagt habe der Copilot nichts mehr, erklärte der Staatsanwalt. In den letzten Minuten, bevor der A320 mit 150 Menschen an Bord an einer Felswand zerschellt sei, hätten der ausgesperrte Kapitän und die Crew von außen gegen die Cockpit-Tür gehämmert. „Die Schreie der Passagiere hören wir erst in den letzten Sekunden auf dem Band“, sagten die Ermittler. In den ersten 20 Minuten nach dem Start haben sich Pilot und Copilot demnach ganz normal unterhalten.

Der zweite Flugschreiber sei noch nicht gefunden, sagte Robin. Zuvor hatte er die aus Düsseldorf und Barcelona angereisten Hinterbliebenen der Todesopfer informiert. Die Bergung und Identifizierung der Opfer könne mehrere Wochen dauern.

Kurz vor Beginn der Pressekonferenz in Marseille hatte bereits ein Düsseldorfer Staatsanwalt Medienberichte bestätigt, wonach einer der Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt war. Die „New York Times“ und die französische Nachrichtenagentur AFP hatten unter Berufung auf Ermittler berichtet, dass einer der Piloten seinen Platz verlassen und danach versucht habe, die verschlossene Tür einzutreten.

Der Airbus mit der Flugnummer 4U9525 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, als er über Südfrankreich minutenlang an Flughöhe verlor und am Bergmassiv Les Trois Evêchés zerschellte.

Hinterbliebene der Opfer landeten am Donnerstag auf dem südfranzösischen Flughafen Marseille-Provence. Die rund 50 Angehörigen waren am Donnerstagmorgen vom Flughafen Düsseldorf gestartet, um in die Nähe des Absturzortes zu gelangen. Mit an Bord des Airbus A321 reist auch ein Betreuer-Team, bestehend aus Seelsorgern, Ärzten und Psychologen. Außerdem ist ein zweiter Sonderflug mit einer Germanwings-Maschine für Angehörige der Crew am Donnerstagvormittag ab Düsseldorf geplant. Auch aus Barcelona wurde am Vormittag ein Flieger mit Angehörigen spanischer Opfer erwartet.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Germanwings: Co-Pilot lässt 4U 9525 absichtlich abstürzen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Auf der Pressekonferenz der CVR-Auswertung wurde auch gesagt, der Co-Pilot hätte fast teilnahmslos beim Durchsprechen der Landung in Düsseldorf gewirkt. Warum wurde dieses Adjektiv ausgesprochen?
    Vielleicht liegt darin ein Schlüssel für das tragische Rätsel.
    Fragt mal langjährige Rettungssanitäter wie schnell ein Gehirnschlag eintreten kann! in Sekunden! In jedem Alter. Und dann reagiert man eben, wenn überhaupt, nur noch wie im Trance, oder Halbtraum mit Vorzeichenfehlern, nur ausschnittsweise, mit verschobenen Maßstäben, Fehlern usw. ...

    Der von den Medien wahrscheinlich aus Sensationsgeilheit behauptete "erweiterte Suicid" ist extrem unwahrscheinlich. Oder kennt jemand sowas von der Strasse oder Schiene ?

    Übrigends: bei RyanAir kommt immer irgendwer der Crew ins Cockpit, wenn ein Pilot mal auf die Toilette muß. In den USA ist das Standard. Wieso ist eine so einfache Sicherheitsvorsorge bei LH bzw. GW nicht üblich? Schließlich sind Herzinfarkte oder Gehirnschläge überhaupt nicht prognostizierbar. Und können absolut jedermann(Inn), jederzeit treffen. Fragt mal langjährige Rettungssanitäter!

    Aber natürlich steigert es die Auflage wenn man es sich stattdessen mit der Theorie vom erweiterten Suicid bequem macht. Eine unerträgliche Vorverurteilung!

    Außerdem frage ich mich, warum die Daten der CVR und CDR auf einer Festplatte gespeichert werden.
    Statt auf SD-Karten und das redundant in jeder Flügelspitze und allen möglichen anderen Orten, am Besten auch in einer "Cloud". Das würde manche Katastrophen aufklären helfen und nur wenig kosten.

    Die Sicherheit ließe sich leicht noch durch solche einfachen Maßnahmen verbessern.
    LH und GW & Co sollten nicht angebliche Sicherheit behaupten,- sondern Sicherheit realisieren.
    Zumindest wo es einfach möglich wäre.

  • - .....ein Kapitän bei der Lufthansa-Klassik das Sechsfache von dem was ein Co-Pilot bei Germanwings verdient?
    Kann das nicht zu Depressionen führen? -

    Was kann alles noch zu Depressionen führen?
    Der Lokführer der noch weniger als der Co-Pilot bei Germanwings verdient, der Streifenpolizist der weniger als der Hauptkommissar verdient, der Bankangestellte der nur 1/40 seines Chefs verdient - alles Sicherheitsrisiken, alles potentielle Selbstmörder?

  • In den deutschen Medien werden , - wie üblich
    das Volk nur mit Halbwahrheiten „versorgt“

    (Ihr lernt das, was Ihr wissen dürft, und nicht das,
    was Ihr nicht wissen solltet.)

    man Gefahr – Opfer der deutschen
    Bildungspolitik zu werden
    deshalb ist es notwendig sich anderweitig zu informieren.

    http://www.liberation.fr/societe/2015/03/26/quand-on-a-la-responsabilite-de-150-personnes-on-n-appelle-pas-ca-un-suicide_1228923

    http://www.elmundo.es/internacional/2015/03/26/5513f168e2704e76618b456b.html

    Auch das F und E oder P Fernsehen berichtet
    „ungefiltert“ man sollte nur der Sprache mächtig sein.

    Auf die Wahrheit haben die Familien der Opfer
    Ein Anrecht!
    Das geht vor „Täterschutz“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%