Gesandter des Vatikans soll Porno-Skandal untersuchen
Papst entmachtet umstrittenen Bischof

Papst Johannes Paul II. hat in dem Skandal am Priesterseminar von St. Pölten überraschend schnell einen Visitator eingesetzt und so Kurt Krenn, den umstrittenen Bischof der Diözese, weitgehend entmachtet.

HB ROM/WIEN. Wie der Vatikan bekannt gab, berief Johannes Paul II. den Bischof der Diözese von Vorarlberg, Klaus Küng, zum Apostolischen Visitator für die gesamte Diözese. Er soll nun den Skandal um kinderpornografische Aufnahmen auf Computern des Priesterseminares untersuchen und dem Papst berichten.

Die Ernennung eines Apostolischen Visitators für eine Diözese gilt als eine außergewöhnliche Maßnahme. Ein Apostolischer Visitator wird vom Vatikan gewöhnlich nur dann ernannt, wenn der Papst schwere Missstände in einem Bistum vermutet und sich ein genaues Bild machen will. Ein solcher Schritt gilt als eine offizielle Misstrauenserklärung für den betroffenen Bischof. Er darf keine Entscheidungen mehr selbstständig treffen. Küng sprach von einer „delikaten und diffizilen Aufgabe“. Er wolle die Arbeit in St. Pölten unverzüglich aufnehmen, sagte der Feldkircher Bischof.

Der betroffene Bischof Kurt Krenn und die Diözese St. Pölten begrüßten die Einsetzung des Apostolischen Visitators. Küng werde Diözese und Priesterseminar „einer umfassenden, sorgfältigen und objektiven Prüfung unterziehen“, hieß es auf Krenns Webseite. Damit sei „in allen betreffenden Fragen eine Wende zum Guten eingeleitet“.

Auf Computern des Seminars hatte die Polizei in den vergangenen Monaten Tausende pornografischer Bilder aus dem Internet entdeckt, darunter auch zahlreiche kinderpornografische Fotos. Die Aufnahmen zeigen auch homosexuelle Handlungen zwischen Seminaristen und ihren Vorgesetzten.

Küng soll sich nun zunächst aus erster Hand über die Geschehnisse an dem Priesterseminar informieren und dann den Papst entsprechend unterrichten. Der amtierende Bischof Kurt Krenn, der sich bisher weigerte, sein Amt nach dem Porno-Skandal niederzulegen, verliert damit praktisch alle Befugnisse. Krenn lehnte am Dienstag einen Rückzug von seinem Amt weiter ab, obwohl er immer stärker unter Druck gerät. Er hatte die Vorfälle im Priesterseminar als „Bubenstreiche“ verharmlost.

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