Geschäftsmodell Höhenrausch
Faszination Achttausender

Vor 25 Jahren bezwang Reinhold Messner den Himalaya-Gipfel des Lhotse - und damit als erster Mensch alle Achttausender der Welt. Er fand viele Nachahmer - und Höhenrausch wurde zum Geschäftsmodell.
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BerlinEs war ein Kampf gegen die Natur, den Körper und die anderen Gipfelstürmer. Vor 25 Jahren stand Reinhold Messner auf dem 8516 Meter hohen Gipfel des Lhotse im Himalaya und damit als erster Mensch auf allen Achttausendern der Welt. Inzwischen haben das 27 Menschen nachgemacht, darunter auch drei Frauen. Für viele Bergsteiger ist heute allerdings nicht der Gipfelsieg entscheidend, sondern der Stil.

Die 14 mächtigen Berge im Himalaya und im angrenzenden Karakorum zu erklimmen, galt als besondere Sensation, weil Messner bei seinen Touren auf Sauerstoffflaschen verzichtete. Der Südtiroler Messner und sein österreichischer Seilpartner Peter Habeler brachten den Alpinstil ins Himalaya. Das bedeutet, dass sie auf Schnelligkeit und Selbstgenügsamkeit setzten und sich allein oder in kleinen Seilschaften durch den Schnee kämpften.

Zuvor waren die Expeditionen oft riesige Materialschlachten. 1978 war eine Gruppe von 42 japanischen Bergsteigern am zweithöchsten Berg der Welt, dem K2, unterwegs und zog hinter sich eine Schlange von mehr als 1200 Trägern her. Die Sherpas brachten Tonnen an Material mit und kochten in den Lagern. Der Aufstieg zum Gipfel wurde gespurt und mit kilometerlangen Seilen und Leitern gesichert.

Bis heute gibt es diese beiden gegensätzlichen Weltanschauungen: Den einen gilt der Alpinstil als Ideal, den anderen ist jede Form von logistischer Unterstützung und fremder Hilfe recht, um den Gipfel zu erreichen. Für diese Menschen bieten Expeditionsorganisatoren professionell geführte Reisen mit Bergführern an. Für mehrere 10.000 Euro können durchschnittlich fitte Bergsteiger einen Achttausender kaufen.

„Diese Menschen wollen Bergsteigen in der konfektionierten Form“, sagt Bernd Schröder vom Deutschen Alpenverein. „Sie kaufen Achttausender als Dienstleistung.“ Das Base Camp am Mount Everest sei heute schon so überrannt, dass über den Bau eines Hotels nachgedacht würde.

Der Bergführer Kari Kobler aus der Schweiz, der selbst seit Jahren Gäste ins Himalaya bringt, sieht durch die Erschließung der Berge weitere Folgen. „Weil heute ganz normale Bergsteiger den Everest besteigen können, müssen die anderen, die gut sind, ihre Leistungen steigern.“ Mittlerweile fahren Menschen mit Ski und Snowboard vom Mount Everest herab, setzen sich bei Winterexpeditionen Temperaturen von 60 Grad unter Null aus oder unterbieten sich im Geschwindigkeitsklettern.

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