Geschasster ZDF-Chefredakteur
Brender ist Journalist des Jahres

Einen Tag vor der Entscheidung über seinen Nachfolger ist der scheidende ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zum „Journalist des Jahres 2009“ gewählt worden. Die Gewerkschaft Verdi hat sich unterdessen Forderungen nach einer Verfassungsklage gegen die Entlassung angeschlossen.
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HB MAINZ. Brender habe mit seinem konsequenten Beharren auf journalistische Unabhängigkeit Zeichen gesetzt, erklärte die 60-köpfige Jury der Fachzeitschrift "medium magazin" am Mittwoch zur Begründung. Um so mehr sei zu kritisieren, dass der ZDF-Chefredakteur zum Spielball parteipolitischer Interessen geworden sei.

Im Fall Brender offenbare sich ein medienpolitischer Sündenfall, der das ZDF und den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk massiv treffe. Der ZDF-Verwaltungsrat kommt am Donnerstag in Mainz zu einer Sondersitzung zusammen, um den Nachfolger für Brender zu bestimmen. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats und Mainzer Regierungschef Kurt Beck (SPD) geht davon aus, dass sich das Gremium auf einen neuen Chefredakteur einigen wird.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass noch einmal ein Exempel der Macht statuiert wird", sagte Beck am Dienstagabend in Mainz. Er selbst wollte sich zu einem möglichen Nachfolger für den scheidenden ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender nicht äußern. "Es ist am Intendanten, einen Vorschlag zu machen", sagte der SPD-Politiker. Als aussichtsreichster Bewerber gilt derzeit der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, Peter Frey.

Ruf nach einer Entscheidung

Die Gewerkschaft Verdi forderte am Mittwoch die SPD auf, der von Grünen und Linken im Bundestag angekündigten Verfassungsklage gegen den ZDF-Staatsvertrag beizutreten. "Da sich kein CDU-Vertreter im ZDF-Verwaltungsrat selbst entmachten wird, bedarf es einer eindeutigen Entscheidung des Verfassungsgerichts." Sollte die SPD diesen Weg blockieren, werde sie an Glaubwürdigkeit verlieren.

Der Verwaltungsrat hatte am 27. November den Vorschlag von ZDF-Intendant Markus Schächter abgelehnt, den Vertrag Brenders um weitere fünf Jahre zu verlängern. Sein Vertrag läuft im März 2010 aus. Brender scheiterte am Widerstand der Unionsvertreter im Gremium, die vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch angeführt wurden.

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