Geschworene zeigten Sympathie
Opfer weisen Dutroux zurecht

Sieben Wochen lang hatte der Hauptangeklagte die Szene im Saal des Schwurgerichts von Arlon bestimmt. Was der mutmaßliche Mädchenmörder Marc Dutroux beklagte und behauptete, stand im Mittelpunkt des Interesses. Doch Laetitia Delhez (22) und Sabine Dardenne (20) lenkten den Blick wieder auf das Wesentliche: Die Taten von Dutroux und seinen Komplizen.

HB ARLON/BRÜSSEL. Die jungen Frauen wiesen die lahmen Entschuldigungsversuche von Dutroux und seiner mitangeklagten Ex-Frau Michelle Martin unerbittlich ab. Knapp acht Jahre nach ihrer Entführung und Misshandlung zeigten sie ein Selbstbewusstsein, das auch ihrem ehemaligen Peiniger galt: Nein, sie hatten sich - trotz aller schmerzhaften Folgen der Tat - nicht unterkriegen lassen. Dutroux sprach seine Opfer zwar ungerührt mit „Du“ an, doch Dardenne fiel ihm prompt ins Wort: „Können wir ihn nicht bitten, den Mund zu halten?“

Deutlich emanzipiert haben sich auch die zwölf Geschworenen, die am Ende des Verfahrens - voraussichtlich Mitte Juni - über Schuld und Unschuld der vier Angeklagten entscheiden werden. Im Namen ihrer Kollegen rügte eine Schöffin in öffentlicher Sitzung die oft allzu zügige Prozessführung des Vorsitzenden Richters Stéphane Goux. Nur um den Zeitplan einzuhalten, würden manche Zeugen „mit Tempo 200“ befragt. Da blieben Fragen offen, mahnte die Laienrichterin in ihrer für belgische Verfahren völlig ungewöhnlichen Stellungnahme.

"Ohne Hass und ohne Furcht"

Äußerst unüblich fanden manche Kommentatoren am Mittwoch auch die deutlichen Sympathiebekundungen der Geschworenen für die beiden Opfer im Zeugenstand. „Menschlich kann man es gut verstehen, dass man als Jurymitglied sein Verständnis, seine Entrüstung, seine Gefühle mit den Opfern dieser abscheulichen Verbrechen teilen will“, schrieb die Zeitung „Het Laatste Nieuws“. Doch das Gesetz schreibe vor, dass die Geschworenen zu keinem Zeitpunkt und auf keinerlei Weise ihre innere Überzeugung durchblicken lassen dürfen.

Dass Laetitia Delhez bereits vor ihrer Aussage vor Gericht in Zeitungsinterviews über ihr Leiden berichtete, dass sie die Verhandlung bereits als Nebenklägerin verfolgte und auf die Eidesformel „ohne Hass und ohne Furcht“ verzichtete, dürfte auf weiteren Prozessverlauf wenig Einfluss haben. Zwei andere Entwicklungen haben dem Verfahren in der achten Woche indes neue Spannung gegeben: Die auf Normalmaß geschrumpfte Rolle von Marc Dutroux und die zunehmend kritische Haltung der Geschworenen.

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