Gespaltenes Echo auf Papst-Äußerung in Deutschland
Sturm der Entrüstung in islamischer Welt

Eine ähnliche Protestwelle wie nach den jüngsten Islam-Äußerungen des Papstes hatte es in der moslemischen Welt zuletzt nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen gegeben. Benedikt XVI. wird bedrängt, seine Aussage zurückzunehmen und sich dafür zu entschuldigen. Der Vatikan reagiert ausweichend.

HB KAIRO/ROM/BERLIN. In verschiedenen Ländern sprachen Religionsvertreter am Freitag von Beleidigung und Gotteslästerung und forderten eine Entschuldigung des Vatikans. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel Benedikt gegen die Kritik verteidigte, äußerte der Grünenpolitiker Volker Beck Verständnis für die muslimischen Reaktionen.

Die Welle der muslimischen Empörung folgt neun Monate nach dem Beginn gewaltsamer Proteste wegen der Veröffentlichung von Mohammed- Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung. Die OIC kritisierte auf einer Tagung im saudi-arabischen Dschidda, der Papst habe Mohammed als „böse und unmenschlich“ dargestellt. In einer Erklärung heißt es: „Die OIC hofft, dass diese Kampagne nicht der Prolog für eine neue Politik des Vatikans gegenüber dem Islam ist, besonders nach den vielen Jahrzehnten des Dialoges, der die Kleriker des Vatikans und die führenden Denker und Religionsgelehrten der Muslime einander näher gebracht hat.“

In der Palästinenserstadt Gaza wurde ein Sprengstoffanschlag auf eine christliche Kirche verübt. Die ägyptische islamische Arbeitspartei attackierte den Papst und rief zu Protesten auf. Die Partei erklärte: „Wacht auf Muslime, der Papst beleidigt den Propheten und bezeichnet den Islam in seiner Ahnungslosigkeit als möglichen Feind.“ Die radikale ägyptische Moslembruderschaft verlangte eine Entschuldigung. Benedikt XVI. gieße „Öl aufs Feuer“. Ein iranischer Kleriker und Mitglied des höchsten islamischen Gremiums des Landes bezeichnete die Papst-Äußerungen als „unerhört“.

Das pakistanische Parlament verabschiedete einstimmig eine Resolution, in der es heißt, die Äußerungen Benedikts verletzten die Gefühle der Muslime, erzeugten eine Kluft zwischen den Religionen und stellten einen Verstoß gegen die UN-Menschenrechtskonvention dar. Die Parlamentarier forderten eine Zurücknahme der Worte. Muslimische Gelehrte in Indien kritisierten die Äußerungen des Papstes als „unverantwortlich“ und „blasphemisch“. Im mehrheitlich muslimischen indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir beschlagnahmten Polizisten vorsorglich Tageszeitungen, in denen über die Äußerungen berichtet wurde, um Unruhen zu verhindern. Dennoch kam es zu Protestdemonstrationen.

Der Großmufti in Syrien forderte Benedikt auf, seine kritischen Äußerungen zum Islam zu klären. Auch die britischen Muslime drangen auf eine Klarstellung. Der Muslim Council of Britain (MCB) - die Dachorganisation der rund 250 muslimischen Gruppen in Großbritannien - erklärte: „Von einem religiösen Führer wie dem Papst hätte man erwarten können, dass er mit Verantwortungsbewusstsein handelt und spricht und im Interesse von Wahrheit und Harmonie zwischen den Anhängern des Islams und des Katholizismus die Ansichten des byzantinischen Kaisers zurückweist.“

Der Präsident des französischen Muslim-Dachverbandes CFCM, Dalil Boubakeur, verlangte ebenfalls „eine Klarstellung“. Man dürfe den Islam, eine Offenbarungsreligion, nicht mit dem Islamismus verwechseln, der keine Religion ist, sondern politische Ideologie, sagte Boubakeur.

In Deutschland gab es ein unterschiedliches Echo. Merkel sagte: „Wer den Papst kritisiert, verkennt die Intention seiner Rede. Sie ist eine Einladung zum Dialog der Religionen, und der Papst hat sich ausdrücklich für diesen Dialog eingesetzt, den auch ich befürworte und für dringend notwendig halte.“ Was Benedikt XVI. deutlich mache, sei „eine entschiedene und kompromisslose Absage an jegliche Anwendung von Gewalt im Namen der Religion“, fügte sie hinzu.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sagte, es gebe überhaupt keinen Grund für Kritik. Ein Regierungssprecher in Berlin verwies auf die Vatikanerklärung, nach der der Papst den Islam respektiere und den Dialog mit anderen Religionen vorantreiben wolle. Der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Beck bezeichnete die Papst-Worte als „merkwürdig einseitig und geschichtsblind“.

Der Papst hatte sich in Regensburg gegen den Heiligen Krieg ausgesprochen und dabei auch indirekt Mohammed kritisiert. Er berief sich auf ein über 600 Jahre altes Zitat eines byzantinischen Kaisers, das er selbst als schroff bezeichnete, in dem es heißt, Mohammed habe nur Schlechtes und Inhumanes gebracht, weil er den Glauben mit dem Schwert verbreiten lassen wollte.

Vatikansprecher Federico Lombardi wies die Kritik aus der islamischen Welt zurück. Er sagte, dem Papst sei es um eine „klare und radikale Zurückweisung einer religiösen Motivation von Gewalt“ gegangen. Der Papst habe die „Sensibilität islamischer Gläubiger“ nicht verletzen wollen.

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