Gesprengte Geldautomaten

Banken und Polizei im „Waffenwettlauf“ mit Verbrecherbanden

Sprengen, Geld einpacken und nichts wie weg: Die aus den Niederlanden anrückende „Audi-Bande“ ist für viele geplünderte Geldautomaten in Niedersachsen und NRW verantwortlich. Polizei und Banken rüsten zum Gegenangriff.
Schon seit zehn Jahren ist das Phänomen gesprengter Geldautomaten bekannt – doch in den vergangenen Monaten nahmen die Fälle deutlich zu. Quelle: dpa
Gesprengter Geldautomat

Schon seit zehn Jahren ist das Phänomen gesprengter Geldautomaten bekannt – doch in den vergangenen Monaten nahmen die Fälle deutlich zu.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, HannoverNach ihren spektakulären Raubzügen rasten sie lange Zeit mit bis zu Tempo 250 davon und ließen die Polizei alt aussehen. Jetzt sitzen die ersten hinter Gittern – oder sind schwer verunglückt. Zwar ist die Zahl aufgesprengter Geldautomaten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen weiter angestiegen, über 100 waren es bereits dieses Jahr. Ein länderübergreifendes Ermittlerteam aber hat die vielfach aus den Niederlanden kommenden Täter ins Visier genommen. Verstärkt gerät die wegen ihres Faibles für PS-starke Limousinen „Audi-Bande“ genannte Truppe unter Druck. Auch dank besserer Prävention der Banken bleiben die Täter öfter ohne Beute.

Eine ohrenbetäubende Explosion in der Nacht, kurz darauf quietschende Reifen und ein zertrümmerter Bankautomat: Das Vorgehen der Täter ist meist gleich und der Schaden geht insgesamt in die Millionen. Nachdem es in Niedersachsen im vergangenen Jahr 28 Fälle gab, sind es im laufenden Jahr bereits 25. Zum Vergleich: 2013 gab es nur sechs Attacken auf Automaten, wie das Landeskriminalamt in Hannover mitteilte. Haupttäter seien die Niederländer, außerdem gebe es eine Gruppe aus Polen und Nachahmungstäter.

Welche Mängel Einbrecher anlocken – und was sie abschreckt
Schutz vor Beobachtern
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Die Deutschen machen es Einbrechern oft gefährlich einfach. Zum großen Teil ist die Sicherheitstechnik veraltet. Oft helfen Mieter und Hausbesitzer den Einbrechern sogar ungewollt: Hohe Hecken und dichte Bepflanzung etwa bieten optimalen Sichtschutz.
(Quelle: Einbruch-Report 2016 des GDV)

Einstiegshilfen
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Balkone, Gerüste, Geräteschuppen, Mülltonnen oder Carports – das sind wahre Ein- und Aufstiegshilfen für Einbrecher. So machen die Bewohner es Einbrechern besonders leicht.

Problemzone Fenster
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Gekippte Fenster stellen für Einbrecher fast schon eine Einladung dar. So sparen sie sich die 15 Sekunden, die sie in der Regel brauchen, um ein Fenster aufzuhebeln.

Verräterische Rollläden
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Tagsüber dauerhaft heruntergelassene Rollläden? Für Einbrecher oft ein klares Zeichen, dass der Hausbesitzer verreist ist. Ohne Hochschiebesicherung schützen sie auch nicht davor, dass Fenster und Türen aufgebrochen werden.

Die Schlüsselfalle
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Schusselig oder gutgläubig: Es kommt schon mal vor, dass Hausbesitzer ihre Schlüssel von außen stecken lassen, die Türe nicht abschließen oder gar offenstehen lassen. Größere Einladungen gibt es kaum

Notfallschlüssel
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Auch sehr beliebt: Das alte Schlüssel-Versteckspiel. Leider finden auch Einbrecher die draußen versteckten Notfallschlüssel in Blumentöpfen und unter Fußmatten nur allzu leicht.

Gefahrenquelle 1: Balkon- und Terrassentüren
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Gefahrenquelle Nummer 1 sind Balkon- und Terrassentüren: 40,7 Prozent aller Einbrecher schlagen hier zu.
Was hier hilft: Beschläge mit Pilzkopfzangen, ein Stangenschloss und ein abschließbarer Griff.

In Nordrhein-Westfalen hat es in diesem Jahr bereits 80 Automatensprengungen gegeben, 2015 waren es 67, wie das LKA in Düsseldorf mitteilte. Das Phänomen gab es schon vor zehn Jahren, meint LKA-Sprecher Frank Scheulen. Meist blieb es aber bei einer Handvoll Taten pro Jahr, bis es ab 2014 einen spürbaren Anstieg gab.

Seit längerem haben die Fahnder als Hauptverantwortliche eine Gruppe von rund 250 marokkanischstämmigen Niederländern aus dem Raum Utrecht/Amsterdam ausgemacht. „Das sind diejenigen, die gerne als Profis bezeichnet werden“, sagt LKA-Sprecher Scheulen. Die Bande sei verstärkt nach Niedersachsen und NRW ausgewichen, nachdem Banken in den Niederlanden, Belgien und Frankreich ihre Automaten gegen die Sprengattacken mit eingeleitetem Gas besser schützen.

Spektakuläre Unfälle nach Sprengungen
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