Gesundheit
Die Deutschen sind ein Volk der Sitzenbleiber

Die Deutschen sitzen zu lange und bewegen sich zu wenig. Und das zieht sich durch alle Generationen. Besonders schlimm: Viele Eltern liefern ihren Kindern ein schlechtes Vorbild. Was eine Gesundheits-Studie ergab.
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DüsseldorfDie Menschen in Deutschland verbringen nach Einschätzung von Experten zu viel Zeit im Sitzen und bewegen sich zu wenig. „Wir sind ein Volk der Sitzenbleiber geworden“, befindet Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenversicherung (DKV). Durchschnittlich sitzen die Deutschen täglich sieben Stunden und mehr, auch Kinder bewegen sich viel zu wenig. Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Umfrage der DKV und der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS). „Das dauerhafte Sitzen hat weitreichende Folgen für den Fett- und Blutzuckerstoffwechsel und macht die Menschen krank“, erklärt Muth.

Für den DKV-Report „Wie gesund lebt Deutschland?“ befragte das Marktforschungsinstitut GfK 2014 insgesamt 3102 Menschen. In Telefoninterviews berichteten die Befragten über Bewegung, Ernährung, Stressempfinden sowie ihren Umgang mit Alkohol und Zigaretten.

Zusätzlich wurden rund 300 Eltern zur Mediennutzung und dem Verhalten ihrer 6- bis 12-jährigen Kinder befragt. Die Studienteilnehmer wurden befragt, aber nicht untersucht. Ob die Antworten der Realität entsprechen, konnten die Forscher somit nicht feststellen.

Der Studie zufolge bewegt sich nur die Hälfte der Menschen ausreichend. Dauersitzen gilt neben Bewegungsmangel als eigenständiges Gesundheitsrisiko: Es lasse sich nicht vollständig durch Sport kompensieren, sagte Professor Gerhard Huber vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg der Deutschen Presse-Agentur. Nach seinen Worten steigt das Gesundheitsrisiko ab acht Stunden Sitzen pro Tag deutlich an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Erwachsene pro Woche mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Arbeit.

Stillsitzen und Bewegungsmangel sind der Studie zufolge bereits bei den Jüngsten an der Tagesordnung: Nur bei einem Viertel der Kinder bleibt die tägliche Zeit vor dem Bildschirm unter der empfohlenen Dauer von einer Stunde. Einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatten in der Umfrage mehr als 70 Prozent von ihnen, die Hälfte verfügt über einen Internetzugang. Sie kopierten den ungesunden Lebensstil ihrer Eltern, sagt Muth.

DKV und DSHS kommen zu dem Schluss, dass Eltern ihre Rolle als Vorbilder viel stärker wahrnehmen müssen. Feste Regeln könnten etwa das Medienkonsum-Verhalten der 6- bis 12-Jährigen beeinflussen. Auch bei der körperlichen Aktivität würden die Vorgaben der Eltern eine entscheidende Rolle spielen.

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