Gesunkenes Mini-U-Boot
Russische Marine erneut im Zwielicht

Die Werft des gesunkenen russischen Mini-U-Boots hat der Marine des Landes vorgeworfen, mitschuldig an dem Unglück im Pazifik zu sein. Die Marineführung macht derweil widersprüchliche Angaben - Erinnerungen an die "Kursk"-Katastrophe werden wach.

HB WLADIWOSTOK. Die Werft Krasnoje Sormowo in der Stadt Nischni Nowgorod an der Wolga erklärte, das Rettungs-U-Boot vom Typ Pris sei reparaturbedürftig gewesen; das Militär habe dies auch gewusst. Für das so genannte Bathyskaph sei bereits ein Reparaturtermin vereinbart gewesen. Auf der Werft war "AS-28" im Jahr 1989 gebaut worden.

Das Rettungs-U-Boot hängt seit Donnerstag mit sieben Matrosen an Bord in etwa 190 Metern Tiefe in der Berjosowaja-Bucht vor der Halbinsel Kamtschatka fest. Nach offiziellen Angaben befand sich das Schiff auf einer Übungsfahrt, als es sich in einem Netz, einem Kabel oder einem anderen Gegenstand verfing.

Die Besatzung wurde angewiesen, sich hinzulegen, um Sauerstoff und Energie zu sparen. Es bestehe alle halbe Stunde Sprechkontakt zu ihnen, sagte der Kommandant der russischen Pazifikflotte, Admiral Viktor Fjodorow in Wladiwostok. Fjodorow erklärte, die Atemluft in dem Tauchboot AS-28 werde bis Montag reichen. Die Batterien des 13,5 Meter langen Rettungs-U-Bootes vom Typ Pris würden schwächer, aber seiner Einschätzung nach ebenfalls bis Montag funktionieren.

Der Zustand der Matrosen sei "normal", hieß es. In dem U-Boot herrsche eine Temperatur von fünf Grad. "Die Besatzung trägt kältefeste Kleidung, Essen und Wasser reichen für fünf Tage", sagte Fjodorow.

Marinesprecher Igor Dygalo hatte dagegen erklärt, der Sauerstoff reiche nur noch für 24 Stunden. Zuvor hatte er von vier Tagen gesprochen, dann von zwei. Damit zeichnet sich ein ähnliches Informations-Desaster ab wie beim Untergang des Atom-U-Boots "Kursk" im Jahr 2000: Damals hatte die Marine das Unglück zwei Tage lang verschwiegen.

Die Zweifel an der Marine wurden am Freitagabend durch einen Bericht des staatlichen russischen Fernsehsenders genährt, der unter Berufung auf die Einsatzleitung an der Unglücksstelle meldete, ein russisches Schiff habe das U-Boot an den Haken genommen. Nach 15 Kilometern Schleppfahrt solle es in flachem Wasser an die Oberfläche gebracht werden. Kurz darauf dementierte der Marinestab: Es gebe lediglich "Vorbereitungen" für die Rettungsaktion. Wenige Minuten darauf hieß es, man habe ein "Objekt" am Haken, wisse aber nicht, ob es sich um das U-Boot handele.

Im Gegensatz zur "Kursk"-Katastropfe forderte Moskau diesmal allerdings umgehend ausländische Unterstützung an. Japan ließ vier Kriegsschiffe Kurs auf Kamtschatka nehmen, wo sie jedoch frühestens am Montag eintreffen konnten. Die USA kündigten an, ein Rettungs-U-Boot vom Typ Scorpio von einem US-Expertenteam von San Diego in Kalifornien aus nach Petropawlowsk zu fliegen. Danach werde das Boot per Lastwagen zu einem russischen Schiff transportiert, das es an die Unglücksstelle bringen solle.

Dygalo erklärte jedoch, zunächst werde Russland aus eigenen Kräften versuchen, die Besatzung zu retten. Ein entsprechender Versuch solle in der Nacht zum Sonnabend deutscher Zeit unternommen werden. Zu den Rettungsversuchen von neun russischen Marineschiffen am Unglücksort gab es nur spärliche Angaben. Zwei Schiffe versuchten, mit Ankern oder Netzen das U-Boot loszureißen, hieß es.

Die russischen Mini-U-Boote der Typen Pris und Bester waren zur Rettung von Seeleuten aus U-Booten gebaut. Beim Untergang der "Kursk", die durch die Explosion eines schadhaften Torpedos an Bord versenkt wurde, konnten sie indes nichts ausrichten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%