Gewalt gegen Staatsgewalt
Polizisten werden gezielt angegriffen

Deutsche Polizisten werden immer häufiger Opfer von Gewalttaten. Oft werden die Beamten sogar gezielt attackiert. Nach der Messerangriff von Gelsenkirchen wollen Politiker nun die Beamten besser schützen
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GelsenkirchenDer Angriff auf zwei Polizeibeamte in Gelsenkirchen ist der jüngste einer ganzen Reihe von brutalen Attacken auf Ordnungshüter. Ein 21-Jähriger hatte in der Nacht zu Dienstag offenbar die Polizei wegen eines angeblichen Unfalls alarmiert. Als die Beamten den Streifenwagen verließen, griff er sie mit einem Messer an. Der 45-jährige Polizist konnte seine Dienstwaffe ziehen und den Angreifer anschießen, alle drei Beteiligten wurden schwer verletzt. 

Erst im Juni wurden in Oberhausen zwei Streifenbeamte verprügelt, als sie ein Drogengeschäft unterbinden wollte. Nach dem Angriff mit Eisenstangen musste einer der Polizisten auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt werden. 

Die Polizeigewerkschaften, aber auch viele Innenminister der Bundesländer beklagen, dass die Hemmschwelle bei Gewalt gegen Polizei sinkt. So stellte der bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Juni fest, dass der Beamte in Uniform heute weniger „tabu“ sei als früher. In seinem Bundesland wurden im vergangenen Jahr 1.638 Polizisten bei Attacken im Dienst verletzt, 31 von ihnen schwer. Laut einer Studie seien elf dieser Taten sogar als versuchte Tötungsdelikte zu werten. 

Ähnlich sehen die Zahlen für Nordrhein-Westfalen aus. Hier wurden im vergangenen Jahr 1.734 Beamte bei Angriffen im Dienst verletzt, 13 von ihnen so schwer, dass sie mehrere Tage oder sogar Wochen dienstunfähig waren. Dies ergab die im vergangenen Monat vorgelegte erste landesweite Untersuchung des Landeskriminalamts (LKA) zur Gewalt gegen Polizisten. Am gefährlichsten war demnach der Streifendienst: 84 Prozent der Opfer verrichteten dort ihre Arbeit. 

Der Bericht des LKA war der erste seiner Art. Um die Entwicklung weiter verfolgen zu können, soll es künftig jedes Jahr eine solche Untersuchung geben. 

Laut der bayerischen Untersuchung stehen bei Angriffen auf Polizeibeamte 70 Prozent der Täter unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen. Mitunter wurden die Beamten, wie offenbar jetzt in Essen, aber auch ganz gezielt ins Visier genommen. So erinnert die Gelsenkirchener Straftat vom Ablauf an einen drei Jahre zurück liegenden Vorfall in Köln. Dort hatten drei damals 15, 16 und 17 Jahre alte Jugendliche die Polizei wegen einer angeblich hilflosen Person zu einem etwas abgelegenen Ort gerufen. 

Dort wurden die Beamten von den vermummten Jugendlichen in Empfang genommen und mit Schreckschusswaffen bedroht. Als die Beamten ihre Dienstwaffen zogen und Warnschüsse abgaben, flohen die Täter. Sie konnten aber noch am selben Tag gefasst werden. Zwei der Jugendlichen gaben damals an, die Beamten entwaffnen und töten zu wollen, um mit den Dienstwaffen Anschläge auf amerikanische Einrichtungen zu begehen. 

Der bislang folgenschwerste Angriff auf Polizeibeamte in den vergangenen Jahren ist bis heute ungeklärt: Am 25. April 2007 schoss ein Unbekannter in Heilbronn auf die beiden Insassen eines parkenden Streifenwagens. Eine 22-jährige Polizistin starb durch einen Kopfschuss, ihr 25-jähriger Kollege wurde lebensgefährlich verletzt und kann sich an das Geschehen nicht erinnern. Der Fall hatte auch für Aufsehen gesorgt, weil die Ermittler über Jahre einer falschen DNA-Spur folgten, die erst bei der Spurensicherung durch vorher verunreinigte Wattestäbchen gelegt wurde.

 

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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