Gewalt und Humor
Lachen mit John Rambo

Brutale Filme erzeugen bei vielen Zuschauern nicht Abscheu, sondern große Heiterkeit. Aber nicht nur die Kinogänger sind von dem, was sie sehen, überfordert, sondern auch die Psychologen und Soziologen. Sie stehen dem Phänomen der „lustigen Gewalt“ eher hilflos gegenüber.

DÜSSELDORF. Auf der Leinwand herrscht das Grauen. Es wird gelitten, gestorben, getötet, gefoltert und verstümmelt. Im Publikum wird gelacht und geklatscht. Je gewalttätiger der Film, desto lauter das Lachen. Was ist da los?

Wer eine erschreckende, aufwühlende und erkenntnismehrende Erfahrung zum Thema des medialen Gewaltkonsums machen möchte, dem sei in diesen Tagen ein Kinobesuch empfohlen. Sylvester Stallone ist zum vierten und sicher letzten Mal als „John Rambo“ zu sehen, als bereits mythologisch aufgeladener Inbegriff des Kämpfers. Rambo ist das personifizierte Berserkerphänomen, die traumatisierte Einmannarmee. In dem Film, wie schon in seinen drei Vorgängern, mag so manches unrealistisch sein, vor allem die schiere Menge an dahingerafften Feinden und die Präzision und Effektivität des Kämpfens, zu dem sich der gealterte und müde Rambo hier ein letztes Mal aufrafft, um ein paar naive Gutmenschen aus den Fängen der burmesischen Bösmenschen zu befreien. Die Filmemacher bemühten sich erfolgreich um eine möglichst realistische und schonungslose Darstellung von Gewalt (236 Tote, das sind 2,59 pro Minute).

Doch nicht der Film ist das eigentliche Ereignis, sondern die Reaktionen des Publikums. In welcher Stimmung auch immer, ob mit der Freundin oder den Fußballkumpels, auch wenn man auf der Flucht vor den Alltagssorgen im Kino sitzt, auch wenn der Kinobesucher natürlich weiß, dass niemand wirklich in Stücke gerissen wird durch die Granate: Lachen, Klatschen und Gegröle sind eine unangebrachte Reaktion.

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