Gewaltexzesse: Wie sicher sind deutsche U-Bahn-Stationen?

Gewaltexzesse
Wie sicher sind deutsche U-Bahn-Stationen?

Immer wieder kömmt es in Berliner U-Stationen zu brutalen Überfällen. Und in anderen Großstädten sind öffentliche Verkehrsmittel längst nicht mehr sicher. Nun streiten Polizei und Sicherheitsexperten über wirksame Präventionsmaßnahmen.
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BerlinImmer wieder treten die Männer zu. Ihr Opfer liegt auf dem Bahnsteig in einem Berliner U-Bahnhof und kann sich nicht wehren. Unter den Tritten ins Gesicht bricht auch das Nasenbein des 45-jährigen Mannes, stellen später die Ärzte im Krankenhaus fest. Die Beute der brutalen Jugendgang: Zigaretten und Weinflaschen. Es ist das zweite Video aus einer der zahlreichen Überwachungskameras in den Bahnhöfen, das innerhalb von zehn Tagen für Debatten und Ängste in Berlin sorgt. Wie sicher ist die U-Bahn? Und wie lässt sich die Gewalt mancher Jugendlicher stoppen, fragen sich viele Menschen.

Kriminalexperten und die Polizei streiten derweil über Aufklärungsquoten.

Vor knapp zwei Wochen waren es zwei 30-jährige Handwerker, die von vier Jugendlichen im U-Bahnhof Lichtenberg im Ostteil Berlins angegriffen wurden. Einer der Männer liegt seit mehr als zehn Tagen mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen im Koma. Die Ärzte wissen nicht, ob er jemals wieder gesund wird.

Auch hier zeigte sich die hemmungslose Gewalt durch Videobilder.

Einer der Täter springt das Opfer in den Aufnahmen mit hochgerissenem Bein an und tritt es zu Boden. Die Staatsanwaltschaft spricht von versuchtem Raubmord und setzte durch, dass selbst der jüngste der Täter mit gerade 14 Jahren in Untersuchungshaft sitzt.

Nicht nur in Berlin sind die Opfer oft Unbeteiligte, die zufällig angefallen werden. Es gibt entsprechende Berichte aus Hamburg, Frankfurt, Köln oder Fürth. In München starb 2009 der Geschäftsmann Dominik Brunner, nachdem er von zwei jungen Männern zusammengeschlagen wurde.

Für besonderes Aufsehen sorgen meist die Fälle, die sich in U-Bahnhöfen oder auf Bahnsteigen abspielen. Unter der Erde fühlen sich viele Menschen unsicher. Manche Gänge sind düster und seit die Bahnbetriebe sparen, sieht man kaum noch Zugabfertiger oder Wachleute. Stattdessen filmen Kameras das Geschehen. Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG und die Polizei geben zu, dass die abschreckende Wirkung der Objektive nicht hoch ist. Die jungen Täter werden zwar schneller gefasst, den Opfern nützt das aber wenig.

Bilder von Überfällen erzeugen allerdings eine größere öffentliche Wirkung und sorgen eher für politische Debatten als knappe Polizeiberichte. In den Tagen zwischen den gefilmten Gewalttaten in den U-Bahnhöfen raubten in Berlin immer wieder Gruppen von Jugendlichen gewaltsam andere Menschen aus. Eine 43-jährige Frau wurde etwa im bürgerlichen Stadtteil Wilmersdorf Opfer eines Überfalls, mehrere Jugendliche schlugen sie zusammen. Mit schweren Verletzungen im Gesicht kam sie ins Krankenhaus. Ohne Videoaufnahmen aber blieb die öffentliche Aufmerksamkeit aus.

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