Gewalttat an der Uni Virginia Tech
Amokläufer phantasierte über Kettensägenmassaker

Der Amokläufer, der am Montag in Blacksburg, Virginia, 32 Menschen und sich selbst erschossen hat, galt vielen seiner Kommilitonen als Sonderling, auch seine Dozenten hatten früh Hinweise auf eine psychologische Auffälligkeit hingewiesen.

HB BLACKSBURG/USA. Er schrieb blutrünstige Theaterstücke, galt an der Uni als Sonderling und hegte Groll gegen „reiche Kids“: Was genau Cho Seung Hui am Montag dazu veranlasste, 32 Menschen auf dem Campus der Virginia Tech in Blacksburg und dann sich selbst zu erschießen, war den Ermittlern zunächst nicht klar. Doch wegen seiner schwierigen Persönlichkeit trauten seine Kommilitionen dem späteren Amokläufer nicht über den Weg.

Die Studentin Stephany Derry sagte, sie habe mit Kommilitonen bisweilen darüber gescherzt, dass Cho wohl irgendwann etwas tue, wovon man hören werde. Ian MacFarlane äußerte sich in seinem Blog entsetzt über den Inhalt der Theaterstücke seines früheren Mitschülers. Er habe mit anderen Studenten ernsthaft besorgt darüber geredet, ob Cho einmal an der Uni zur Waffe greifen werde.

In seinen Stücken beschrieb der Amokläufer Gewaltfantasien: Figuren griffen sich mit Kettensägen an und warfen mit Hämmern um sich, wie MacFarlane sich erinnert. Chos Stücke wirkten mit ihrer „perversen, makabren Gewalt“ bisweilen „wie aus einem Alptraum. Der 23-Jährige habe den Einsatz von Waffen beschrieben, die er sich selbst nicht einmal hätte vorstellen können.

Auch die Lehrer waren beunruhigt: Die Leiterin der Fakultät für Englisch, Carolyn Rude, erklärte, die Direktorin der Fachschaft Kreatives Schreiben, die Cho aus einem ihrer Seminare kannte, habe ihn als „mit Problemen belastet“ beschrieben. Cho sei an den psychologischen Dienst verwiesen worden. Wann und mit welchem Ergebnis dies geschehen sei, wisse sie nicht. „Er hat Anlass zur Sorge gegeben“, sagte Rude. „Beim kreativen Schreiben enthüllen Menschen manchmal Dinge, von denen man nicht weiß, ob sie sich das ausdenken oder ob das vielleicht wahr sein könnte. Aber wir achten alle darauf, solche Dinge nicht zu ignorieren.“

Kommilitonen berichteten, am ersten Tag eines Literaturseminars hätten sich alle Teilnehmer vorgestellt, nur Cho habe nichts gesagt. Auf der Anwesenheitsliste habe er nur ein Fragezeichen eingtragen. „Ist Ihr Name „Fragezeichen'?“, habe der Professor gefragt, erinnerte sich die Studentin Julie Poole. Cho habe darauf kaum reagiert. „Wir kannten ihn eigentlich nur als den Fragezeichen-Typen.“

Der aus Südkorea stammende Student hinterließ ein achtseitiges Schreiben, in dem er nach Angaben aus Ermittlerkreisen gegen „reiche Kids“ und Religion schwadronierte. „Ihr habt mich dazu gebracht, dies zu tun“, schrieb Cho an einer Stelle. Das Ende sei nahe und es müsse noch eine Tat vollbracht werden.

Zwtl: „Wir würden keine Pistole verkaufen, wenn wir den Käufer für verdächtig hielten“

Der Amokläufer habe in jüngster Zeit ein beunruhigendes Verhalten an den Tag gelegt, berichtete „The Chicago Tribune“ in ihrer Online-Ausgabe. Beispielsweise habe er im Zimmer eines Wohnheims Feuer gelegt. Die Ermittler seien der Auffassung, dass Cho zeitweise Medikamente gegen Depressionen genommen habe, berichtete die Zeitung.

Der Südkoreaner lebte seit 1992 in den USA, seine Eltern arbeiteten in einem Vorort von Washington in einer Reinigung. „Er war sehr ruhig und immer allein“, erinnerte sich ein Nachbar, Abdul Shash. 2003 machte er seinen Abschluss an der Westfield High School in Chantilly in Virginia. Auch eines seiner Opfer vom Montag, Reema Samaha, ging auf diese Schule. Die Ermittlern konnten zunächst nicht sagen, ob der Amokläufer sie kannte.

Nach Angaben der Universität lebte Cho in einem Studentenwohnheim auf dem Campus - einem anderen Wohnheim als dem von ihm überfallenen. Eine Waffe, die Glock-Pistole, kaufte er im vergangenen Monat, legal, da er eine Green Card besaß. Der Ladenbesitzer John Markell sagte, Cho habe 571 Dollar bezahlt. „Er war ein netter, ordentlicher College-Junge. Wir würden keine Pistole verkaufen, wenn wir den Käufer für verdächtig hielten“, versicherte er.

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