Gianluigi Nuzzi über den Vatikan
„Die Kosten sind außer Kontrolle geraten“

Gianluigi Nuzzi wirft dem Vatikan in seinem Buch Verschwendung und Intransparenz vor. Der Enthüllungsjournalist spricht von einem Krieg der Reformer gegen die Verweigerer – und spekuliert über den Rücktritt des Papstes.

RomDer italienische Investigativjournalist Gianluigi Nuzzi mag dramatische Formulierungen. „Alles muss ans Licht – Das geheime Dossier über den Kreuzweg des Papstes“ ist der deutsche Titel seines neuen Buches, der italienische ist „Via Crucis“. Das Buch werde „den Vatikan erzittern lassen“, schreibt er auf seiner Homepage. Schon mit „Vatikan AG“ und „Seine Heiligkeit“ hatte er Bestseller gelandet und die „Vatileaks“-Affäre ausgelöst, als der Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. verhaftet wurde, weil er Dokumente vom Schreibtisch des Papstes gestohlen hatte.

Jetzt veröffentlicht Nuzzi Dokumente über die desolate Lage der Finanzen im Vatikan, die nicht etwa gestohlen worden seien, wie er bei der Buchvorstellung in Rom betonte, sondern die ihm von Leuten zur Verfügung gestellt worden seien, „die unter der tief verwurzelten Heuchelei jener leiden, die genau Bescheid wissen, was im Vatikan vor sich geht, es aber nicht zugeben wollen, sondern lieber gute Miene zum bösen Spiel machen“.

Seine Quellen nennt er nicht. An vielen Stellen aber tauchen im Buch zwei Namen auf: es sind Mitglieder der ehemaligen „Päpstlichen Kommission zur Untersuchung der Wirtschafts- und Finanzorganisation des Heiligen Stuhls“ (Cosea) , der Koordinator Lucio Angel Vellejo Balda, ein dem Opus Dei nahestehender spanischer Monsignore, und die italienische PR-Frau Francesca Chaouqui.

Beide wurden Anfang der Woche von der Gendarmerie des Vatikanstaates verhaftet. Balda sitzt, während sich Chaouqui zur Zusammenarbeit mit der Polizei bereit erklärt hat und jede Schuld von sich weist. Im Vatikanstaat gilt das Weitergeben von internen Dokumenten als Straftat und wird mit bis zu acht Jahren Haft bestraft. Ermittelt gegen die beiden wurde schon seit Mai. Von Balda heißt es, dass er enttäuscht war, als er nach dem Ende der Cosea-Kommission nicht Chef des neuen „Superwirtschaftsministerium“, sondern der australische Kardinal George Pell. Einen Kommentar zur Verhaftung gab Nuzzi nicht ab.

Der Vatikan reagierte prompt auf das Buch. Erst hieß es, solche Veröffentlichungen würden nicht zur Reformarbeit der Kirche beitragen. Dann erklärte Vatikansprecher Padre Federico Lombardi, die Dokumente seien auf illegitime Art und Weise in das Buch gelangt und der Geheimnisverrat werde weiter verfolgt. Zum großen Teil sei der Inhalt der Dokumente zudem bekannt. Sie gehörten zu einer Arbeitsphase, die beendet sei. Tatsächlich geht es bei den Dokumenten im Buch um die Arbeit der Kommission, die im Juli 2013 gegründet wurde und deren Arbeit im Februar 2014 endete.

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Der „Krieg im Vatikan“

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