Giftschlamm-Unfall in Ungarn
„Es schaut aus, als würde alles bluten“

Eine meterhohe Schlammlawine schwappte durch mehrere Ortschaften, vier Menschen kamen ums Leben: Der Chemie-Unfall in Ungarn ist die größte ökologische Katastrophe in Ungarn. Rettungskräfte versuchen unter Hochdruck zu verhindern, dass die roten Dreckmassen die Flüsse erreichen - und noch mehr Schaden anrichten.
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HB KOLONTAR. Nach dem Giftschlamm-Unfall in Ungarn versuchen die Rettungskräfte unter Hochdruck zu verhindern, dass die roten Dreckmassen die Flüsse Raab und Donau erreichen. Bislang sei dies gelungen, sagte Innenminister Sandor Pinter vor Journalisten am Mittwoch. Noch habe sich die Brühe nicht von dem Fluss Marcal in die Raab, die in die Donau fließt, ergossen. "Wir hoffen, dass wir das eindämmen können."

Rettungsmannschaften und Helfer versuchten, das Rückhaltebecken an einer Aluminiumfabrik abzudichten, von dem aus sich der Schlamm durch mehrere Dörfer wälzte. Bislang kamen vier Menschen ums Leben, 120 wurden verletzt, drei wurden noch vermisst.

Die Aufräumarbeiten nach dem schweren Chemieunfall wird der Regierung zu Folge Monate, wenn nicht gar ein Jahr dauern. "Das hier aufzuräumen, wird Monate dauern", sagte Umweltstaatssekretär Zoltan Illes dem Feuerwehrportal langlovagok.hu. Dabei würden Kosten in Höhe von Dutzenden Millionen Euro entstehen. Deshalb erwäge Ungarn auch, die EU um Hilfe zu bitten.

Die Regierung geht davon aus, dass menschliches Versagen die Katastrophe auslöste. Die Produktion in dem Werk der Firma MAL Zrt wurde gestoppt. Das Unternehmen will den Betrieb nach eigenem Bekunden am Wochenende wieder aufnehmen.

Steffen Nichtenberger von Greenpeace sagte der Nachrichtenagentur dapd, die Analyse des in Ungarn ausgelaufenen Rotschlamms liege erst Freitag vor. "Wir befürchten, dass Schwermetalle wie Arsen, Blei und Quecksilber sich darin befinden." Die unmittelbare Gefährdung durch den Schlamm bestehe in Verätzungen und Haut- und Augenreizungen.

"Giftige Dämpfe reizen die Schleimhaut", erklärte Nichtenberger. "Der Schlammfluss war teilweise zwei Meter hoch. Es schaut aus, als würde alles bluten."

Die größte potenzielle Bedrohung sei die Verseuchung des Grundwassers, fügte der Umweltschutzexperte hinzu. Die landwirtschaftlichen Flächen seien voraussichtlich für Jahre nicht mehr brauchbar. Und wenn der Schlamm trockne, entstünden durch den Staub, der in alle Himmelsrichtungen verteilt würde, zusätzliche Probleme.

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