Gläubige schienen tief bewegt
Papst beweist eisernen Willen

Stark geschwächt und nur unter größten Anstrengungen feierte Papst Johannes Paul II. am Sonntag im französischen Pilgerort Lourdes mit 200 000 Gläubigen eine Messe unter freiem Himmel. „Hilf mir“, murmelte er einmal auf polnisch und „Ich muss fertig werden“.

HB LOURDES. Der 84-jährige an Parkinson erkrankte Papst musste in seiner Ansprache mehrfach kurz innehalten. Ein Helfer reichte dem Papst zwischendurch ein Glas Wasser. Am Vortag war der Pontifex beinahe gestürzt, als er auf einer Betbank das Gleichgewicht verloren hatte.

Viele Gläubige, die am Sonntag mit dem Papst die Messe feierten, waren wie er körperlich angeschlagen. Einige waren in Rollstühlen oder auf Tragen gebracht worden. „Ich teile mit Euch eine von körperlichem Leid geprägte Zeit, die deshalb jedoch nicht weniger ertragreich in Gottes wundervollem Plan ist“, sagte Papst Johannes Paul II. den Gläubigen. Sie schienen tief bewegt von dem eisernen Willen des Papstes, die Rede trotz seiner Leiden und der großen Hitze an dem symbolträchtigen Ort selbst zu lesen. Der französische Wallfahrtsort ist für seine Wunderheilungen bekannt, von denen die katholische Kirche bisher 66 Fälle offiziell anerkannt hat. Sechs Millionenen Pilger besuchen Lourdes jährlich. Viele von ihnen glauben an die heilenden Kräfte des heiligen Wassers. „Das ist der größte Tag in meinem Leben“, sagte ein im Rollstuhl sitzender Besucher. „Ich bin nicht auf der Suche nach einem Wunder, ich bin hier, um meinen Glauben und mein Leiden mit dem Papst zu teilen. Mein einziges Anliegen ist, ihm nahe zu sein“.

Der Papst sprach sich gegen Abtreibung und Euthanasie aus und sagte, die Grotte von Lourdes, in der 1858 die heilig gesprochene Bernadette Soubirous Marien-Erscheinungen gehabt haben soll, sei ein besonderes Vermächtnis an die Frauen. „Als sie hier erschien, hat Maria ihre Botschaft einem jungen Mädchen anvertraut, wie um die besondere Rolle der Frau in unserer von Materialismus und Säkularismus geprägten Zeit zu betonen“, sagte der Papst. Es sei Aufgabe der Frauen, grundlegende Werte in der Gesellschaft weiterzutragen. Vergangenen Monat hatte der Vatikan in einem umstrittenen Dokument erklärt, die Rechte der Frauen am Arbeitsplatz zu verteidigen, in dem Kampf um Macht und Gleichstellung der Geschlechter aber eine Gefährdung des traditionellen Familienkonzeptes zu sehen.

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