Glaubenssache Geld
Eine Ordensschwester riestert nicht

Haben Nonnen ein Girokonto? Und wie sieht es mit der Altersvorsorge aus? Als Arbeitgeber müssen sich Klöster auch höchst alltäglichen Fragen stellen. Hauptproblem der Ordensgemeinschaften: der Nachwuchsmangel.
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Düsseldorf, Koblenz„Wir nähern uns der Oase“, sagt der Taxifahrer, als sich der Wagen über die enge Straße einen Berg am Rande von Koblenz empor schiebt. Durch die Baumwipfel werden Mauern aus Backstein sichtbar, grüne Läden an Fenstern mit weißen Streben. Noch eine Straßenbiegung, dann liegt dort: Arenberg. Weit über der Stadt in einem Wald gelegen, Vogelzwitschern – nur aus der Ferne hört man das Rauschen einer Straße. „Eine Oase“, wiederholt der Taxifahrer.

Eine buchbare Oase. Der Preis für das Einzelzimmer mit Dusche, WC und Balkon ist gerade noch zweistellig, Zusatzangebote wie die Vital-Physiotherapie kosten extra. Internetzugang, Schwimmbadnutzung und die Minigolfanlage sind inklusive. Ebenso wie spirituelle Impulse und Gesprächsbegleitung – Arenberg ist kein Hotel, sondern ein Kloster mit Gästehaus.

Im lichtdurchfluteten, vollverglasten Foyer steht Kerstin-Marie Berretz. 35 Jahre alt, offenes Lächeln und fester Händedruck. Für sie ist Arenberg nicht Urlaubsort, sondern Arbeitsplatz und auch Zuhause. Berretz ist Dominikanerin, das Kloster Mutterhaus des Ordens. Das Konvent von Schwester Kerstin-Marie Berretz liegt eigentlich in Oberhausen, diesen Sommer verbringt sie jedoch in Arenberg und ist auch sonst öfter hier, um Aufgaben zu übernehmen: „Das ist hier quasi mein Zweitwohnsitz“, lächelt die Frau im Habit. Der Rosenkranz an ihrem Gürtel klirrt leise, als sie in den Garten läuft.

Seit 2008 ist Schwester Kerstin-Marie Teil des Ordens der Dominikanerinnen, und damit eine von insgesamt noch 17.500 Ordensfrauen, die in etwa 1.430 klösterlichen Niederlassungen in Deutschland leben. Das besagen die Zahlen der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) für 2014. Die größten Gruppen bilden die benediktinischen, franziskanischen und vinzentinisch geprägten Ordensgemeinschaften. Warum sich Schwester Kerstin-Marie gerade für die Dominikanerinnen entschieden hat? „Weil es natürlich der beste Orden der Welt ist“, sagt sie lachend und schiebt hinterher: „Ehrlicherweise lässt sich diese Frage ebenso schwer beantworten, wie die warum man sich für einen Partner entscheidet.“ Man merke einfach, was das Richtige sei.

Bei ihrer Entscheidung spielte auch die „Stabilitas loci“ eine Rolle – viele Orden seien örtlich gebunden: „Benediktiner bleiben zum Beispiel bis an ihr Lebensende in einer Abtei. Dominikaner hingegen sind Wanderprediger“ Man bleibe deshalb nicht unbedingt an einem Ort: „Da muss man schon ein wenig Flexibilität mitbringen.“ Und genau das wollte Schwester Kerstin-Marie. Einen Teil ihrer Ausbildung verbrachte sie zum Beispiel in der Schweiz. Es gebe einen passenden Spruch für das Leben im Orden, sagt sie: „Willst du die Welt sehen, musst du in ein Kloster gehen.“

Bevor Kerstin-Marie Berretz Dominikanerin wurde, studierte sie Theologie in Bochum und arbeitet als Pastoralreferentin. Als Ordensschwester ist sie Berufscoach, macht eine Ausbildung im systemischen Coaching und verdient damit Geld. Ihr Honorar behält die 35-Jährige allerdings nicht: „Ich habe kein Girokonto.“ Das Geld, das sie verdient, geht an den Orden: „Der wiederum sorgt dafür, dass ich alles habe, was ich brauche.“

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