Glaubwürdigkeit der Belastungszeugen angezweifelt
Verteidiger fordern Freispruch für Kölner Polizisten

Im Kölner Polizeiskandal-Prozess um den Tod eines Festgenommenen haben die Verteidiger für fünf der sechs angeklagten Polizisten Freispruch gefordert.

HB/dpa KÖLN. Es gebe keine Beweise für den Vorwurf der gemeinschaftlichen Körperverletzung mit Todesfolge, erläuterte die Verteidigung am Donnerstag vor dem Kölner Landgericht. Es bestehe aber ein erheblicher Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Belastungszeugen. Deren Aussagen dürften vor Gericht nicht berücksichtigt werden, forderte die Verteidigung.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beamten im Alter von 25 bis 40 Jahren vor, einen Kölner im Mai 2002 nach seiner Festnahme auf einer Wache misshandelt zu haben. Der 31-Jährige war zwei Wochen später im Krankenhaus gestorben. Die Anklagebehörde fordert eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren für den Wachdienstleiter, für die anderen Beamten Bewährungsstrafen bis zu zwei Jahren. Dabei hatte es die Staatsanwaltschaft als strafmildernd angesehen, dass möglicherweise auch ärztliches Versagen im Krankenhaus mitverantwortlich für den Tod war.

Bereits am Dienstag hatte ein Angeklagter eingeräumt, er habe einmal auf den sich heftig wehrenden Festgenommenen eingeschlagen. Sein Verteidiger bat das Gericht, den aufgeregten und überreizten Zustand des Beamten als strafmildernd anzuerkennen. Im Laufe des Verfahrens hatten mehrere Polizisten Schläge als notwendig dargestellt, da der Kölner nicht unter Kontrolle zu bringen gewesen sei.

Die Verteidigung kritisierte am Donnerstag einen der beiden Belastungszeugen. Dieser Mann - ebenfalls ein Polizist - habe ein „taktisches Verhältnis zur Wahrheit“ und versuche möglicherweise, mit Falschaussagen von eigenem Fehlverhalten abzulenken. Im Laufe der Hauptverhandlung habe er die Aussage dann plötzlich verweigert, was ein faires Verfahren unmöglich mache. Das Urteil wird für diesen Freitag erwartet.

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