Gleichberechtigung
IBM’s „Ginni“ stiehlt Tiger Woods die Show

Drinnen spielen Golfstars wie Tiger Woods, draußen reden alle nur über sie: IBM-Chefin Virginia „Ginni“ Rometty darf nämlich auch nicht rein in den Golfclub Augusta - obwohl IBM Großsponsor ist. Denn sie ist eine Frau.
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San FranciscoErst seit wenigen Monaten steht die erste Frau an der Spitze von IBM und schon gibt es Ärger. Wird Virginia, „Ginni“, Rometty eine Mitgliedschaft im exklusiven men-only Golfclub Augusta bekommen, so wie ihre männlichen Vorgänger? Der Großsponsor IBM und der Golfclub schweigen eisern. Aber selbst Präsident Obama und das politische Washington sehen sich mittlerweile veranlasst, in die sich verschärfende Diskussion einzugreifen.

Kann es sich ein Gigant wie IBM leisten, dass seine weibliche CEO wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt wird? Seit Wochen schwelen die Gerüchte über Romettys Aufnahme in den Golfclub der oberen zehntausend Männer, aber offiziell wird eisern geschwiegen. Bill Payne, Chairman des Clubs will die Diskussion beendet sehen, es sei schlicht Tradition, dass es „Sache der Mitglieder sei, wer eingeladen werde.“

Vier männliche Vorgänger von Rometty bekamen die Mitgliedschaft praktisch automatisch, IBM pumpt Millionen Dollar in den Golfsport und sponsert auch das Masters-Turnier in Augusta. Virginia Rometty gilt als der Prototyp der Erfolgsfrau, die sich in Jahrzehnten harter Arbeit in einem von Männern dominierten Umfeld bis an die Spitze eines der größten Unternehmen der Welt hochgearbeitet hat.

Die gesellschaftspolitische Brisanz des Themas hat sich bis ins politische Washington herumgesprochen. Jay Carney, Pressesprecher des Weißen Hauses, ließ am Donnerstag durchblicken, Präsident Barack Obama glaube, Augusta sollte Frauen zulassen. Die „Zeit, in der Frauen von irgendetwas ausgeschlossen sein sollten“ sei „lange vorbei“. Es ist Vorwahlkampf in den USA und entsprechend legt auch Obamas republikanischer Herausforderer Mitt Romney nach: „Wenn ich Augusta leiten würde, hätten wir Frauen in dem Golfclub“, erklärte er am Rande einer Wahlkampfveranstaltung. Senator John McCain verspottet den Altherrenclub sogar auf Twitter. „Wäre es nicht Zeit, dass Augusta im 21. oder doch wenigstens im 20. Jahrhundert ankommt und Frauen zulässt?“, fragt der Politiker.

Seitdem wird wird der sportliche Teil des hochkarätig besetzten Turniers, das enorme Beachtung in TV und Medien findet, von der Frauenfrage überschattet. Seit Donnerstag wird gespielt, und IBM lädt jedes Jahr eine handverlesene Auswahl der besten Kunden ein. Ein Auftritt des CEO beim Turnier zum Händeschütteln ist seit Jahren ausgemachte Sache. Aber es ist Freitag-Nachmittag, und die IBM-Chefin wurde noch immer nicht gesehen.

Die Frage, ob die IBM-Topmanagerin den berühmten grünen Blazer des Clubs wird tragen dürfen, schwappt derweil auf das Internet über. Neben heftigen Diskussionen in Onlineforen („Würden sie Schwarze ausschließen, würde kein Unternehmen das Turnier mehr sponsern, aber bei Frauen geht das ja!“) hat sich auf der Aktivisten-Plattform change.org eine eigene Petitionsgruppe gebildet. Hochschullehrerin Lynne Manley ist verärgert: „Immer sage ich meinen Schülern und Schülerinnen, dass ihr nur hart genug arbeiten müsst, um Erfolg zu haben. Aber die Botschaft aus Augusta sagt das genaue Gegenteil“, wettert die Mutter einer Tochter auf der Webseite von Change.org.

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  • Klar sollte nur der Club entscheiden. Wir leben aber leider in einen Welt, in sich Menschen das Recht anmaßen, Regeln für andere Menschen aufzustellen.

    Und die meisten Leser werden nun reflexartig denken, dass das Frauenverbot des Golfclubs eine solche Regel darstellt. Oje!

    Der Gedanke der Freiheit und die Tatsache, dass er ein Individuum ist, ist dem Menschen schon fast nicht mehr präsent.

  • Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Der Golfclub kann Bestimmungen haben, wie er will. Wenn er keine Frauen aufnehmen will, dann ist das für den Club doch in Ordnung. Da müüsen halt die Mitglieder und Sponsoren schauen, ob die Anti- Frauen- Regel zu ihrer Einstellung und dem Image passt und ihre Konsequenzen ziehen.

  • Nun ja ... es fällt negativ auf IBM zurück, wenn als weltoffenes Unternehmen ein Golfclub so ausdrücklich gesponsert wird, indem Frauen nicht Zugang finden dürfen. Die Produkte und Dienstleistungen von IBM werden ja auch nicht nur einseitig geschlechtlich genutzt.

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