Glücksspiel
Forget Las Vegas!

Volkssport Glücksspiel: Griechen gehören zu den begeistertsten Glücksspielern der Welt, sie zocken hemmungsloser und länger als in Amerikas Glücksspielmetropole in der Wüste Nevadas. Besonders zu Weihnachten strömen sie in die Kasinos. Wichtigste Quelle für die Zockerei: Schwarzgeld.

ATHEN. Als die Kabine der Seilbahn die Talstation hinter sich lässt, breitet sich tief unten das Häusermeer Athens aus. In der Ferne glitzert der Saronische Golf. Aber dafür interessieren sich die zwölf Fahrgäste kaum. Sie blicken erwartungsvoll auf die nahende Bergstation. Dort, auf dem 1 400-Meter-Gipfel des Parnitha, liegt Griechenlands höchster Zockertempel, das „Regency Casino Mont Parnes“.

Alexandros, der seinem Ziel entgegenschwebt, zieht ein Banknotenbündel aus der Innentasche des speckigen, blauen Anoraks: Lauter Hunderter und Zweihunderter: „Ich gehe meist mit 5 000 Euro rein, sonst lohnt sich der weite Weg ja nicht.“ Und mit wie viel fährt er wieder zu Tal? „Das können mal 20 000 Euro sein, mal auch nur 20“, sagt der Mittsechziger. „Aber unter dem Strich gewinne ich“, versichert Alexandros schnell.

Im Durchschnitt geben Menschen weltweit 0,5 Prozent ihres Pro-Kopf-Einkommens für Glücksspiel aus. In Griechenland sind es 2,05 Prozent – Glücksspiel ist Volkssport. Nur Hongkong-Chinesen zocken noch mehr als die Griechen. Im Durchschnitt hat jeder Grieche dieses Jahr 900 Euro für Glücksspiele ausgegeben, ein Drittel davon in den neun Kasinos des Landes. Mont Parnes liegt, gemessen am Ertrag, auf Platz zwei.

In der Gondel kennt man sich bereits. „Die beiden da kommen jeden Tag“, flüstert Alexandros und deutet auf zwei Frauen. Ein Blondine, Ende 50, und eine ältere Dame mit schlohweißem Haar. Ein Windstoß lässt die Kabine schaukeln. Dann ist die Bergstation erreicht. Ein letzter Blick ins Tal. Dann geht es in eine Welt ohne Fenster und Tageszeiten. Schon an der Rezeption ist das Gedudel der Spielautomaten zu hören, das Klimpern der Münzen, die sie ausspucken, und das Klacken der Jetons auf den Roulettetischen. Tabakqualm wabert den Gästen entgegen. Sechs Euro kostet der Eintritt.

„Im Schnitt haben wir 3 000 Besucher pro Tag“, sagt Shaun Cunningham. Der Südafrikaner ist der „General Manager“ hier. „Aber jetzt zu den Feiertagen, da kommen bis zu 6 000 Gäste täglich.“ Denn je näher der Jahreswechsel rückt, umso schlimmer grassiert das Glücksspielfieber unter den Griechen. Für die Feiertage rechnen Griechenlands Spielbanken mit mehr als 100 000 Besuchern und einem Umsatz von 100 Millionen Euro. Das wäre ein neuer Rekord. Die Umsätze der Branche wachsen pro Jahr um zehn bis 15 Prozent. In diesem Jahr werden die Griechen erstmals mehr als drei Milliarden Euro in die Spielbanken tragen.

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