Glücksspiel in Australien: Makabre Geschäfte mit Windhunden

Glücksspiel in Australien
Makabre Geschäfte mit Windhunden

Die Regierung des australischen Bundesstaates New South Wales hat Windhundrennen verboten. Die Anklage lautet auf Tierquälerei. Eine Branche, die prächtig verdient, rüstet sich zum Kampf.

BungoniaLeone Bown ist im Dauerstress. „Putzen, desinfizieren, Klauen schneiden, die Zähne bürsten – das gehört zum Alltag im Rennstall“, sagt die Züchterin und Trainerin von Windhunden. Man hat den Eindruck, die sogenannten „Greyhounds“ seien für die Mittfünfzigerin ein Kinderersatz. In einem Laufgitter bewacht eine ebenso schlanke wie muskulöse Rüdin vier kleine Welpen.

Sogar das Kinderspielzeug fehlt nicht. „Das Mädchen hat mir schon viel Freude gemacht, und Geld“, sagt Bown, das Tier sei eine „hervorragende Rennerin“. Eine gute halbe Million Euro habe sie in die Farm im Dorf Bungonia gesteckt, etwa zwei Stunden südlich von Sydney, meint die Frau. Gehege, Unterkünfte für die Hunde, alles vom Feinsten. Sogar eine Test-Rennstrecke habe sie gebaut. „Und jetzt das“, sagt Bown, „alles kaputt. Mein Sport, meine Rente, mein Lebensstil“.

Ab Mitte kommenden Jahres wird im Bundesstaat New South Wales das Züchten, Trainieren und Rennen von Windhunden verboten sein. Das haben Regierung und Parlament beschlossen. Kein Kompromiss, kein Vergleich, kein Ausweg. Die Härte des Entscheids ist selbst für die oft hemdsärmelige Politik Australiens radikal. „Mit gutem Grund“, sagt Regierungsschef Mike Baird.

Eine Untersuchungskommission war zum Schluss gekommen, in der Windhundeindustrie sei Tierquälerei derart verbreitet, dass der Sektor nicht mehr reguliert werden könne. 20 Prozent aller Trainer würden statt einer Attrappe aus Kaninchenfell lebende Ködertiere verwenden, um ihre Hunde beim Training auf der Rennstrecke zur Höchstleistung anzutreiben. So genanntes „Live Baiting“ ist streng verboten.

Ein Fernsehsender hatte den Skandal ans Licht gebracht. Mit versteckter Kamera aufgenommene Filme zeigten schreiende Ferkel und Kaninchen, die auf der Bahn vor den Hunden entlang gezogen werden. Holen die Hunde die Köder ein, zerreißen sie sie bei lebendigem Leib. Ein weiteres Problem ist der chronische Überschuss an Welpen aus einer Zucht, die industrielle Dimensionen hat.

Laut der Untersuchung sollen in den letzten zwölf Jahren 72.000 Welpen und erwachsene Hunde getötet worden sein, weil es an Bedarf fehlte oder die Tiere für die Rennbahn zu langsam waren. „Abfalltiere“, so der Fachausdruck. Für Züchter wie Bown, die „nie, absolut nie“ lebende Köder verwendet haben, sind solche Berichte „übertrieben“, die Verfehlungen seien „Ausnahmen“. Hunde getötet, die zu langsam waren, habe sie noch nie. „Wir finden denen ein neues Heim“, sagt sie.

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Makabre Geschäfte mit Windhunden

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„Die Rennpferde für das gewöhnliche Volk“

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