Golden-Globe-Absage
Kein roter Teppich für die Stars

Die Entscheidung schlug ein wie eine Bombe: Die traditionelle Golden-Globe-Verleihung, der Testlauf für die spätere Oscarverleihung, fällt aus. Damit fordert der seit elf Wochen in Hollywood andauernde Streik der Drehbuchautoren sein erstes Opfer – im Streit um höhere Tantiemen verbuchen die Autoren einen ersten Etappensieg.

DÜSSELDORF. Im riesigen Ballsaal des Beverly Hilton fließt der Champagner in Strömen, wenn der zweitwichtigste Filmpreis in Hollywood, der Golden Globe, verlieren werden. Dicht gedrängt und faltenfrei sitzen die Fernseh- und Filmgrößen in dem betagten Luxushotel, um sich gegenseitig zu feiern. Die Gala im Millionärsparadies Beverly Hills ist normalerweise der Testlauf für die spätere Oscar-Verleihung.

Doch in diesem Jahr fällt „Hollywoods Abschlussball“, wie die Preisverleihung gerne in der Filmbranche genannt wird, aus. Der Veranstaltern die Hollywood Foreign Press Association (HFPA), der Verband der Auslandsjournalisten in der Traumfabrik, hat die Party abgeblasen. Der Grund: Die Schauspielergewerkschaft Screens Actors Guild (SAG) hatte angekündigt, dass etliche nominierte Stars aus Solidarität zu den streikenden Drehbuchautoren der Gala fernbleiben würden.

Damit hat der inzwischen elfwöchige Streik der Drehbuchautoren sein erstes Opfer gefordert. In Hollywood schlug die Entscheidung wie eine Bombe ein. „Wir sind alle sehr enttäuscht, dass unsere traditionelle Gala in diesem Jahr nicht stattfinden wird“, sagte der Jorge Camara, der Präsident der Auslandspresse. Die Autorengewerkschaft, Writers Guild of America (WGA) hatte mächtig Druck gemacht. „Golden Globe Betrug“, hätte über der E-Mail gestanden, die WGA-Vertreter David Young an die SAG geschickt hatte.

Die Autoren hatten klar gemacht, dass sich um das Beverly Hilton Mahnwachen aufstellen würden. Durch eine Indiskretion einer PR-Agentur bekam auch der mächtige Jeff Zucker, Präsident des Fernseh- und Filmkonzerns NBC Universal, Wind von dem drohenden Debakel – NBC überträgt traditionell die große Sause. Angesichts der absehbaren Störungen und des Boykotts von Stars wie George Clooney und Regisseur Steven Spielberg blieb der Auslandspresse nichts anderes übrig, als die Festivitäten abzusagen.

Nun wird es eine schnöde Pressekonferenz mit den Gewinnern in 25 Kategorien geben. NBC inszeniert noch eine Party hinterher für die Zuschauer vor den Bildschirmen. So billig und so kurz war „Hollywoods Abschlussball“ in seiner 64jährigen Geschichte noch nie.

Für die Drehbuchautoren ist die Absage ein wichtiger Etappensieg, um höhere Tantiemen durchsetzen. Sie wollen die Hollywood-Studios zu Verhandlungen zwingen. „Ich hoffe, dass der Zusammenbruch der Preisverleihungssaison und unsere Bereitschaft, Kompromisse mit anderen Firmen zu schließen, als ein Zeichen verstanden wird, das wir den Streik ernst nehmen und sie an den Verhandlungstisch zurückkehren müssen“, sagte WGA-Vertreter Patric Verrone laut Branchenblatt „Variety“.

Für NBC ist die abgesagte Gala ein Desaster. Dem Network entgehen nach Branchenangaben rund 20 Mill. Dollar Werbeeinnahmen. Dass es ausgerechnet die Tochter des weltgrößten Mischkonzerns General Electric trifft, ist kein Zufall. Denn im Kampf um mehr Autorenrechte erweist sich der beinharte Chef Zucker bisher als wahrer Hardliner.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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