Golden Week
Die Massentauglichkeit des Japaners

Die „Golden Week“ ist des Japaners liebste Woche: Vier Feiertage kurz hintereinander bringen ganz Japan auf die Beine - und alle zieht es nach Tokio. Selbst hart gesottenen Einkaufsjunkies läuft ein Schauer über den Rücken, wenn die Massen zum Sturm auf die Konsumtempel der Hauptstadt ansetzen.

TOKIO. Versuche, einem Japaner in der „Golden Week“ auf den Fersen zu bleiben. Du wirst es nicht schaffen – selbst wenn dieser Japaner bereits 81 Jahre alt ist. Herr Maeda ist einfach zu flink und zielstrebig, geschickt schlängelt er sich durch die Menschenmassen. Während ich selbst noch mit entschuldigendem „Sumimasen“ und „Gomenasai“ den Weg durch die Menge suche, ist er schon an der Rolltreppe angelangt. Und das ist noch nichts gegen seine Frau Yoko. Die steht schon oben und winkt mit erhobener Hand. Mal schneller, Jungs!

Es ist goldene Woche in Japan, „Golden Week“, und der gemeinen Tokio-Bewohner dürfte sich wünschen, sie wäre bald vorbei. Am Mittwoch ist es soweit. Dann geht eine Serie von vier Feiertagen zu Ende, die ganz Japan auf den Beine bringt – und nahezu alle, so scheint es, nach Tokio zieht. Die "Golden Week" ist des Japaners liebste Woche. Erst hier beweist er aufs perfekteste seine Fähigkeit zur Existenz auf beengtem Raum.

Vom 29. April bis zum 6. Mai werden der Geburtstag des Tenno gefeiert, der Verfassungstag, der Volksfeiertag und der Kindertag. Meist haben die Arbeitnehmer frei genommen, viele Unternehmen schließen auch, der Handel an den Börsen- und Devisenmärkten wird ausgesetzt. Begünstigt wird der Massenauftrieb zusätzlich dadurch, dass die Golden Week in den beliebten Monaten April und Mai liegt, wo das Wetter noch nicht „mushiatsui“ ist, nicht schwül und heiß zugleich. Wer in dieser Zeit nach Japan, speziell Tokio reisen will, muss Flüge und Hotels lange im Voraus buchen.

Die Golden Week ist allerdings auch eine echte Schau. Selbst hart gesottenen Einkaufsjunkies wird in Tokio noch ein Schauer über den Rücken gejagt. Denn die 8,5-Millionen-Stadt ist das Zentrum des Konsums, und in der Golden Week ist die „Ginza“ sein Mekka. Die sonst dicht befahrenen breiten Straßen des noblen Einkaufsviertels werden Mittags sogar gesperrt, damit die Massen Platz haben, die Tempel des Glücks zu stürmen. Luxusmarken reihen sich hier aneinander, von Armani, Gucci, Dolce and Gabana über Burberrys, Bally, Mont Blanc. Aber auch Läden von Billigmarken wie etwa Zara sind zum Bersten gefüllt. Und wer dem Einkaufsfieber noch nicht verfallen ist, der bekommt es eingetrichtert. Von der Seite, aus den Türen der Geschäfte heraus, werden die Japaner von professionellen Animateuren angebrüllt, doch bitte dieses oder jenes Sonderangebot zu beachten. „Irashaimase“ – Herzlich Willkommen!

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