Grobmotoriker und ziemlicher Langweiler...
Hauptsache laut

Wer in der US-Prominenz etwas gelten will, der hat eine eigene Fernsehshow. Nun auch John McEnroe. Der ehemalige Tennissuperstar ist aber alles andere als souverän, und sein Sender CNBC hätte es eigentlich wissen müssen.

Ein paar Fragen stellen? Kein Problem, muss sich John McEnroe gedacht haben. Seit einigen Tagen hat der ehemalige Tennisstar im US-Fernsehen eine tägliche Talkshow. Sie heißt schlicht „McEnroe“ und begann wie ein Buster-Keaton-Film: Der 45-Jährige wirkte, als wolle er nichts wie weg. Raus aus diesem Studio, in das man ihn mit einem schrillen Designer-Hemd gesetzt hatte, in dem seine Frau Patti Smythe die Bandleaderin spielte und in dem man von ihm den witzigen, konfliktsicheren, unterhaltsamen Gastgeber erwartete.

McEnroe, der schon erfolglos die ABC-Show „The Chair“ moderierte und für Talkstar David Letterman die Krankheitsvertretung machte, ist alles andere als souverän, und sein Sender CNBC hätte es eigentlich wissen müssen. Das einstige Enfant terrible des Centre-Court beherrscht, wie schon seine Ausfälle in Wimbledon nahe legten, den persönlichen Schlagabtausch nicht. „Wie lange sind Sie denn schon Schauspieler?“ wollte er von Komiker Will Ferrell wissen.

Als der von seinem letzten Marathon erzählte, sagte McEnroe: „Sie sind ja ein besserer Sportler, als ich dachte.“ Und Tennis-Jungstar Andy Roddick nervte er mit der Frage „Wie fanden Sie Wimbledon in diesem Jahr?“ McEnroe ist ein Grobmotoriker der Kommunikation und, sofern man ihm keine Vorlage liefert, ein ziemlich stoffeliger Langweiler. „Nicht sein Spiel“, urteilte denn auch die New York Times.

Nun sind in den USA spätestens seit dem Siegeszug der Reality- Shows Charme, Witz oder gar journalistische Kompetenz keine Kriterien mehr, um Teil oder sogar Mittelpunkt einer Fernsehshow zu werden. Und nachdem die zur Schau gestellten Ungeschicklichkeiten des Normalbürgers ihre Faszination verloren haben, holt man zunehmend fernsehfremde Promis vor die Studiokamera.

Millionenerbin Paris Hilton stöckelt derzeit nebst Popstar-Tochter Nicole Richie bereits durch die zweite Staffel eines drögen Blondinenwitzes namens „The Simple Life“. Bis zu 13 Millionen schauen allwöchentlich zu. Kürzlich durfte Nicole bei „McEnroe“ über ihre Show erzählen.

Seite 1:

Hauptsache laut

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%