Größte Geheimhaltung vor dem Verkaufsstart um Mitternacht
Harry Potter 6 kommt aus Thüringen

Das größte Geheimnis wird zurzeit im thüringischen Pößneck gehütet: In der dortigen Großdruckerei GGP Media GmbH des Bertelsmann-Konzerns ist ein großer Teil der englischen Originalausgabe von "Harry Potter and the Half-Blood Prince" gedruckt worden. Es herrschen schärfste Sicherheitsvorkehrungen, damit vor 00:01 Uhr am Samstag nichts über den Inhalt von Band 6 nach draußen dringt.

HB Pößneck. Am Wochenende hat das Warten der Fans des Zauberei-Schülers Harry Potter ein Ende. In der Nacht von Freitag auf Samstag kommt die englische Originalausgabe von Band VI mit einer Rekordauflage von mehr als zehn Millionen Exemplaren auf den Markt. Ein großer Teil davon ist in im thüringischen Pößneck gedruckt worden - in der dortigen Großdruckerei GGP Media GmbH des Bertelsmann-Konzerns.

Damit ja nichts von „Harry Potter and the Half-Blood Prince“ der Autorin Joanne K. Rowling vor dem Verkaufsstart durchsickert, wurden die Sicherheitsvorkehrungen auch in der ostdeutschen Druckerei verschärft. So schieben seit Druckbeginn im Mai mehrere Dutzend Wachleute rund um die Uhr Dienst. Mitarbeiter müssen Handys abgeben und werden obendrein streng kontrolliert. Bereits gedruckte Bücher werden sofort in schwarze Folie eingeschlagen, Fehldrucke umgehend noch vor Ort zerschreddert.

Bei einer Panne müsste die Druckerei mit einer exorbitant hohen Vertragsstrafe rechnen, sagt ein Branchenkenner: „Wer will das schon.“ Mitarbeiter, die sich nicht an die Spielregeln halten und mit auch nur einer Zeile aus dem neuen Band ertappt werden, droht neben einer Geldstrafe die fristlose Kündigung. Weil das so ist, wird in Pößneck geschwiegen. Vor dem Werkeingang in der Karl-Marx-Straße zucken sie mit den Schultern. „Kein Kommentar.“ Bei einer Arbeitslosenquote von 20 Prozent müsste man auch ziemlich verrückt sein, über das Thema zu reden, sagt ein Mittvierziger im Stadtzentrum. Tatsächlich ist die Druckerei der mit Abstand größte Arbeitgeber in der Gegend. Auch die Geschäftsführung selbst schweigt sich aus. „Ich kann nicht mal bestätigen, dass wir das Buch hier überhaupt drucken“, sagt Firmensprecherin Adelheid Künzel freundlich aber bestimmt.

Auch Journalisten durften vor dem Stichdatum kein Exemplar in die Hand bekommen. Selbst nachdem einige Bücher in den USA und Kanada aus Versehen vorher verkauft wurden, sickerte nichts durch. In Kanada hatte auch der Vertrieb eine gerichtliche Verfügung erwirkt, die die Besitzer zum Schweigen verpflichtet.

Kein Geheimnis ist dagegen, dass in Pößneck in der Vergangenheit bereits alle deutschen Ausgaben von Harry Potter gedruckt wurden. Auch andere Großaufträge wie den Druck von Moskaus Telefonbuch konnte das Unternehmen mit seinen rund 1000 Beschäftigten an Land ziehen, das zu den größten Druckereien Europa zählt.

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