Größte Volksfest der Welt dauert einen Tag länger als sonst
Aufbau für Oktoberfest schon in vollem Gange

Auf der Münchner Theresienwiese wird gehämmert und geschraubt: Mehr als zwei Monate vor Beginn des 172. Oktoberfestes sind die Aufbauarbeiten in vollem Gange. Am 17. September heißt es unter der Bavaria wieder „Ozapft is“.

HB MÜNCHEN. Die Wirte hoffen dieses Jahr auf ein besonders gutes Geschäft, denn das größte Volksfest der Welt dauert einen Tag länger als sonst. Nach einem Stadtratsbeschluss darf die Wiesn um einen oder zwei Tage verlängert werden, wenn der 3. Oktober auf den Montag oder Dienstag nach dem Schlusssonntag fällt. Die Wiesn-Wirte hatten deshalb besonders lautstark gegen Pläne zur Abschaffung des Tages der Deutschen Einheit protestiert.

„Ich erwarte durch die Verlängerung auf jeden Falle eine Entzerrung des letzten Wochenendes“, sagte Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl. „Außerdem wird der Wirtschaftwert dieser Wiesn steigen.“ Pro Tag bringt die Wiesn im Raum München rund 60 Millionen Euro in Bewegung, bei 17 Tagen wird somit die Milliardenmarke geknackt. Ob wegen des Zusatztages mehr als die üblichen sechs Millionen Besucher kommen, darüber will die Festleiterin derzeit noch nicht spekulieren. „Da hängt sehr viel vom Wetter ab.“

Bei der „Käfer Wiesn Schänke“ steht schon der Rohbau, daneben liegen nummerierte Balken - und ein Haufen angerottetes Holz. „Wir haben dieses Jahr früher angefangen, weil so viel Holz kaputt ist“, berichtet Schreinermeister Karl Rauffer. Das Käfer-Zelt ist ein 200 Jahre altes Bauernhaus aus dem Chiemgau, das sorgsam in Einzelteile zerlegt wurde. 53 Container sind nötig, um das mit 100 000 Schindeln aus Zedernholz gedeckte Bauernhaus zu transportieren. Rauffer baut das Haus zum 34. Mal auf. „Wenn ich zusammenrechne, wie viel Zeit ich hier verbracht habe - viele Jahre.“

Der Wiesnaufbau beginnt Anfang Juli, der Abbau dauert bis Anfang November. Die meisten Handwerker und Helfer arbeiten fast ein halbes Jahr auf dem 31 Hektar großen Areal. Baupläne nehmen die Wiesn-Bauer kaum noch in die Hand. „Ich habe das schon so oft gemacht, jetzt geht es schon aus dem Kopf“, berichtet Zimmerer Stephan Wegh.

Insgesamt sind rund 650 Marktkaufleute, Schausteller und Gastronomiebetriebe zugelassen, viele sind seit Jahrzehnten dabei. Manche historischen Fahrgeschäfte wie Krinoline und Kettenflieger werden nur noch auf dem Oktoberfest aufgebaut.

Die Idee von Löwenbräu-Wirt Ludwig Hagn, Bier in Plastikkrügen zu servieren, konnte sich schon im Vorfeld nicht durchsetzen. Plastikkrüge seien leichter als Glaskrüge und praktisch unzerbrechlich - schließlich gibt es jedes Jahr Verletzte bei Maßkrugschlägereien. Allein der Vorschlag löste jedoch einen Sturm der Entrüstung aus. Der Sprecher der Wiesn-Wirte, Toni Roiderer, bezeichnete das Ansinnen im März als „Schnapsidee“. „Wenn die Leute beieinander sitzen und sich zuprosten, dann ist das ein Klang wie die Glocke der Kirche - ein Zeichen der Verständigung und der Gemütlichkeit.“

Besser gesorgt ist in diesem Jahr für menschliche Bedürfnisse. Die Wirte müssen 20 Prozent mehr Toiletten bereitstellen. Mindestens die Damentoiletten sollen zudem vom Handy-Empfang abgeschottet werden. Gerade die Damen hätten die stillen Örtchen für von Musiklärm ungestörte Telefonate zweckentfremdet und damit für unnötig lange Warteschlangen gesorgt, hieß es.

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