Größter Medikamentenskandal der Nachkriegszeit
Contergan-Film wird zum Exportschlager

Der umstrittene Zweiteiler „Contergan“ hat der ARD exzellente Einschaltquoten gebracht. Nun soll der Film auch in andere Länder verkauft werden. Doch für die hohe ausländische Nachfrage sorgt nicht nur der Zuschauererfolg von „Contergan“.

MÜNCHEN. Der umstrittene ARD-Zweiteiler „Contergan“ wird im Ausland zum Erfolg. Der Film des Regisseurs Adolf Winkelmann über den größten Medikamentenskandal der Nachkriegszeit ist bereits nach Frankreich und Italien verkauft. „Auch in Spanien stehen wir kurz vor Verkauf. In Großbritannien gibt es ein großes Interesse an diesem Skandal“, sagte Co-Produzent Jan Mojto von der Filmfirma EOS gestern dem Handelsblatt.

Der frühere Stellvertreter des Medienunternehmers Leo Kirch, der sich zum einem Fünftel an der rund fünf Mill. Euro teuren Produktion beteiligt hat, will den Zweiteiler auch noch als Kinofilm für den internationalen Markt vermarkten. „Wir wollen möglichst bald eine Kinofassung auf den Markt bringen“, kündigte Mojto am Donnerstag an. In die ausländischen Filmtheater könne der „Contergan“-Streifen frühestens im Frühsommer nächsten Jahres kommen.

Die exzellenten Quoten des ARD-Zweiteilers in Deutschland und Österreich fördern unterdessen die weitere internationale Vermarktung. Den ersten Teil des ARD-Zweiteilers sahen zur Hauptsendezeit nach Angaben der ARD 7,27 Millionen Zuschauer. Das entspricht einem Marktanteil von über 22 Prozent. „So ein Zuschauererfolg hilft natürlich ungemein“, bekennt Mojto, dessen Tochterfirma Beta Film das Drama seit der Film- und Fernsehmesse in Cannes im Oktober verkauft.

Doch nicht nur der Zuschauererfolg von „Contergan“ in Deutschland und Österreich sorgt für die hohe Nachfrage im Ausland. Von den rund 10 000 Opfern leben rund 4 000 außerhalb von Deutschland. Thalidomid-haltige Medikamente wie Contergan wurden in über 40 Ländern verkauft und in den meisten Fällen erst Ende 1961 vom Markt genommen. Allein in Spanien wird die Zahl der Opfer auf rund 3 000 geschätzt. In Italien wurde der Wirkstoff erst ein halbes bis ganzes Jahr nach dem Produktionsstopp vom Markt genommen. Dort wurde den Opfern bisher noch nicht Schadenersatz gezahlt.

Das 1957 in den Handel gekommene Schlafmittel des Aachener Pharmaunternehmens Grünenthal hatte in Deutschland in tausenden Fällen starke Missbildungen bei Neugeborenen ausgelöst. Grünenthal kritisierte den Film als Verdrehung historischer Tatsachen und bekämpfte die Ausstrahlung des ARD-Films juristisch. Das Bundesverfassungsgericht lehnte zuletzt einen Eilantrag des Pharmaherstellers ab.

Grünenthal hat unterdessen bekräftigt, dass es nicht erneut Geld an „Contergan“-Opfer zahlen will. Ein Grund dafür sei auch die „stark emotionale Atmosphäre“ durch den Film, teilte das rheinländische Familienunternehmen mit. Grünenthal sei seiner Verantwortung gegenüber den Betroffenen durch die freiwillige Zahlung von 110 Mill. Mark nachgekommen.

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