Großbrand bei London
Löscharbeiten mit ungewissem Ausgang

Erst rund 24 Stunden nach der verheerenden Explosion in einem Treibstofflager bei London hat die Feuerwehr mit der Brandbekämpfung beginnen können. Mehr als 150 Feuerwehrleute beschießen die Flammen aus Hochdruck-Schaumkanonen - mit ungewissen Erfolgsaussichten.

HB HEMEL HEMPSTEAD. Feuerwehr-Einsatzleiter Roy Wilsher erklärte, die Größe des Feuers und die Zusammensetzung des brennenden Materials aus Benzin, Öl, Gasen und Kunststoffen bedeute, dass sich die Brandbekämpfer „in völlig unbekanntem Terrain“ bewegten, „Dies ist das größte Feuer dieser Art in Großbritannien und Europa, mit dem wir es je zu tun hatten. Wir wissen noch nicht mal, wie die Hitzeströme auf den Schaum wirken. Sie könnten ihn glatt pulverisieren.“ Wie durch ein Wunder war durch die Explosion am Sonntag kein Mensch getötet worden. 43 Personen erlitten zumeist leichte Verletzungen. Ein Mann wurde schwer verletzt.

Als Grund für den verzögerten Beginn der eigentlichen Großbrandbekämpfung nannte die Polizei, dass zunächst Hochdruckpumpen aus mehreren Landesteilen in das Katastrophengebiet gebracht werden mussten. Zudem hätten vor dem massenhaften Wassereinsatz Folgen für die umliegenden Felder geprüft werden müssen. Umweltexperten befürchten, dass mit der enormen Löschaktion so große Mengen von Schadstoffen eingeschwemmt werden, dass die umliegenden Böden auf Jahre hinaus verdorben sind.

Feuerwehrleute, die sich den Flammen nur mit Gasmasken und wegen der extremen Hitze auch nur auf rund 90 Meter nähern konnten, mussten immer wieder zu Verschnaufpausen zurückgezogen werden. „Wenigstens haben wir jetzt genügend Wasser“, sagte der Einsatzleiter. Rund 32 000 Liter pro Minute wurden aus dem rund drei Kilometer entfernten Grand-Union-Kanal und einem See zu dem Treibstofflager Nahe der Ortschaft Hemel Hempstead unweit des Flughafens Luton gepumpt.

Tausende Menschen in der Umgebung wurden aufgefordert, weiterhin in ihren Wohnungen zu bleiben und alle Türen und Fenster geschlossen zu halten. „Das Einatmen von Partikeln dieses dicken Rauchteppichs kann schwere Atemprobleme verursachen“, erklärte Professor Warren Lenney von der britischen Stiftung zur Bekämpfung von Lungenkrankheiten. „Das Problem ist, dass alle möglichen verschiedenen Chemikalien in diesem Rauch enthalten sind.“ Dennoch konnten die meisten der 2000 in Notunterkünften versorgten Bewohner evakuierter Ortsteile in ihre Häuser zurückkehren.

Eine Sprecherin des Mineralöl-Konzerns Total wies Spekulationen zurück, wonach es in der Anlage ein Leck gegeben habe, durch das Treibstoff ausgeflossen sei, der sich entzündete. Es werde Tage dauern, bis die Anlage sicher genug für eine Untersuchung vor Ort sei, erklärte sie. Erst dann könnten seriöse Angaben zur Ursache der Explosion gemacht werden. Ungeachtet dessen betonte die Polizei erneut, es gebe keine Anhaltspunkte für einen terroristischen Anschlag.

Derweil erschwerten starke, wechselnde Winde die Löscharbeiten. Ein riesiger dunkler Rauchschwadenteppich wurde zunächst in Richtung Ärmelkanal und Frankreich sowie Belgien getrieben. Dann drehte der Wind jedoch nach Südwesten zum offenen Atlantik. Der Brand zerstörte sämtliche 20 Großtanks und zahlreiche Gebäude in der Umgebung. Die britische Ölindustrie rief die Autofahrer auf, Panik-Käufe und -Hortungen von Benzin einzustellen. Das Land verfüge in zahlreichen Depots über völlig ausreichende Vorräte, so dass es keine Versorgungsengpässe geben werde, versicherte ein Industriesprecher.

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