Großbrand in Lingen: Tankschiff nach Explosion gesunken

Großbrand in Lingen
Tankschiff nach Explosion gesunken

Explosion am Dortmund-Ems-Kanal: vor Lingen ist ein mit Benzin beladenes Tankschiff in Brand geraten. Das Feuer griff auf den Hafen über, der Kanal wurde gesperrt. Das Schiff brannte selbst beim Sinken weiter.
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LingenDie Szenen könnten aus einem Katastrophenfilm stammen: Ein Tankschiff steht mitten in der Nacht lichterloh in Flammen. Im Hafen breitet sich Benzin aus. Flammen züngeln übers Wasser. Hektisch rollen Feuerwehrmänner Schläuche aus, versprühen Löschschaum, retten in letzter Sekunde verzweifelte Mitarbeiter. Ort des Geschehens am späten Montagabend ist der Verladehafen der Erdölraffinerie Lingen in Niedersachsen, wenige Meter entfernt von hochsensiblen Rohren und Aggregaten der Anlage.

Stunden später versucht Andreas Mohr, kaufmännischer Geschäftsführer der Anlage, zu beruhigen. „Eine Gefahr für die Bevölkerung gab es zu keiner Zeit“, sagt er am Dienstagmittag. Auch die etwa 100 Mitarbeiter der Nachtschicht seien nicht in Gefahr gewesen. Die fünf Besatzungsmitglieder konnten sich retten. „Sie konnten sich mit dem retten, was sie am Leib hatten“, schildert der Leiter der Werksfeuerwehr, Helmut Wekenborg. Einer der Männer muss vorübergehend mit leichten Brandverletzungen ins Krankenhaus. Der Schiffseigentümer stehe unter Schock, sagt Wekenborg.

Als sich das Unglück um 22.40 Uhr ereignet, hat die „Alspray“ aus Duisburg 900.000 Liter Benzin geladen. Lingens Stadtbrandmeister Günter Reppien trifft kurz nach 23 Uhr an der Raffinerie ein. „In dem Moment, in dem ich hier ankam, gab es zeitgleich eine Explosion“, schildert er. Die Nacht hindurch kämpfen 160 freiwillige Feuerwehrleute der Lingener Ortswehren und die 30 Mann der Werksfeuerwehr gegen die Flammen.

Als das Schiff mit dem Rumpf ins Hafenbecken absinkt, läuft Benzin ins Hafenbecken. „Die Flammen breiteten sich bis zur Böschung auf der anderen Seite aus“, schildert Reppien. Der Löschschaum erstickt sie. Wegen großer Hitze bricht das Feuer am Morgen wegen einer Rückzündung jedoch nochmals auf dem Schiffswrack aus. Selbst am Mittag steigt noch leichter Rauch aus dem Havaristen aus.

Die Menschen in Holthausen und Biene, den Nachbarorten westlich der Raffinerie, hören den Knall der Explosionen. „Die Schränke haben ganz schön geklappert“, sagt Frauke Kessens. Holger Krebs arbeitet auf der Raffinerie. Als er die lauten Explosionsgeräusche hört, habe er, im Gegensatz zu seiner Frau, keine Angst gehabt, sagt er. „Man geht da doch etwas professioneller ran.“ Er habe gewusst: Bei einem größeren Schaden auf der Anlage hätte man ihn verständigt.

Panik habe keiner der Raffinerienachbarn, meinen Agnes und Ewald Teipen. „In den vergangenen Jahren ist da ganz selten etwas passiert.“ Der vor rund 20 Jahren aus Leverkusen nach Lingen gezogenen Günther Bieta sieht das anders. Er habe schon Angst gehabt, sagt er. „Es war ein gewaltiger Knall. Ich dachte erst, er kommt aus meiner Garage.“ Von seinem Schlafzimmerfenster aus habe er den Widerschein des Feuers sehen können. Seine erste Überlegung sei gewesen, ob es einen Anschlag auf die Raffinerie gegeben habe.

Was nun alle beschäftigt, ist die Frage, was den Unfall verursacht haben könnte. Sie lässt sich allerdings noch nicht beantworten. Auch wie hoch der Schaden ist, ob und wie die Umwelt belastet worden ist, stehe noch nicht fest, sagt Anlagen-Geschäftsführer Mohr. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt.

 

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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