Großbritannien-Besuch: Papst übt Kritik an den eigenen Reihen

Großbritannien-Besuch
Papst übt Kritik an den eigenen Reihen

Es ist keine leichte Reise für Papst Benedikt XVI: Überschattet von den Missbrauchs-Skandalen in der katholischen Kirche ist der Pontifex zu einem Großbritannien-Besuch aufgebrochen. Unterwegs richtete er selten deutliche Worte an die eigenen Reihen.
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HB EDINBURGH. Papst Benedikt XVI. hat zum Auftakt seines Großbritannien-Besuchs wegen der Kindesmissbrauchsfälle in der katholischen Kirche deutliche Kritik an den eigenen Reihen geübt. Die Enthüllungen hätten ihn schockiert und sehr betroffen gemacht, sagte Benedikt am Donnerstag Journalisten an Bord des Flugzeugs, mit dem er nach Schottland flog.

Es sei schwierig zu verstehen, wie so eine Perversion des Priestertums möglich gewesen sei. „Und es ist sehr traurig, dass die Autorität der Kirche nicht genügend wachsam war und nicht schnell und entschieden genug die notwendigen Maßnahmen ergriff.“

Es waren einige der bislang deutlichsten Worte des aus Deutschland stammenden Papsts zu den zahlreichen Missbräuchen von Kindern durch katholische Geistliche, die vor allem in den vergangenen Monaten in der Öffentlichkeit bekannt wurden.

Benedikts viertägige Reise nach Schottland und England, zu dem ihn Königin Elizabeth II. am Donnerstag in Edinburgh empfing, wird von dem Skandal belastet. Hinzu kommen Äußerungen von Kardinal Walter Kasper, der England mit einem Entwicklungsland verglich. Bis vor kurzem war er Chef des päpstlichen Rates zur Einheit der Christen im Vatikan und somit auch für die Beziehungen zur anglikanischen Kirche zuständig.

Ursprünglich sollte er den Papst auf der Reise nach Großbritannien begleiten, sagte aber nach Angaben eines Vatikan-Sprechers wegen gesundheitlicher Probleme ab.

Hauptereignis des Besuchs soll die Seligsprechung des ehemaligen Kardinals von Birmingham, John Henry Newman, sein. Newman lebte von 1801 bis 1890 und war einer der bekanntesten Anglikaner, der zum Katholizismus konvertierte.

Rund 5,3 Millionen Briten sind katholisch. Sie machen damit etwa neun Prozent der Bevölkerung aus. König Heinrich VIII. hatte 1534 mit der katholischen Kirche gebrochen und die anglikanische Church of England gegründet. Auslöser war die Weigerung des Vatikans, die Ehe Heinrichs mit Katharina von Aragon zu annullieren. Vor 28 Jahren besuchte dann Johannes Paul II. als erster Papst das Land.

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