Ground Zero
Zähes Ringen um den „Freedom Tower“

Jahrelang wurde der Bau des symbolträchtigen Turmes verschleppt: Die Interessen der Stadt New York, der Angehörigen der Opfer, der Architekten und des Baulöwens Larry Silverstone waren einfach zu unterschiedlich. Im April konnte endlich mit dem Bau begonnen werden – doch der Streit will nicht enden.

HB NEW YORK. Als der Grundstein des neuen Freedom Towers am Ground Zero in New York im Juni wieder ausgegraben wurde, schwenkte niemand ein Sternenbanner: Die Blamage, dass der 20 Tonnen schwere Granitstein mit der gemeißelten Inschrift „Ein Tribut an den immer währenden Geist der Freiheit“ wegen neuer Sicherheitsbedenken jetzt knapp zwölf Meter westlich liegen soll, brauchte nicht noch mehr Publicity. Stillschweigend wurde er im Morgengrauen per Tieflader abtransportiert. Jetzt kann er bei der Firma Innovative Stone auf Long Island besichtigt werden – hinter Plexiglas.

Die Skyline von Manhattan wird voraussichtlich erst um das Jahr 2012 wieder komplett sein. Bisher dehnt sich eine große leere Fläche am Ground Zero aus, darin stehen verstreut ein paar Bagger. Der ursprüngliche Plan von Star-Architekt Daniel Libeskind wurde vom federführenden Baumeister David Childs bis zur Unkenntlichkeit zerpflückt. Aber zumindest offiziell zeigt sich Libeskind angesichts dessen und angesichts der zähen Bauarbeiten und der öffentlichen Querelen nicht frustriert: „Ich bin eigentlich mehr wie ein Dirigent, der die Partitur schreibt und ein Orchester dirigiert. Ich sorge für die Harmonie zwischen den einzelnen Teilen“, sagte er.

Von den geplanten fünf Türmen steht am Ground Zero allerdings zumindest schon mal einer. Der eher nichts sagende gläserne Büroturm mit 52 Stockwerken und 158 000 Quadratmetern Bürofläche ersetzt die frühere Nummer „7, World Trade Center“. Einem möglichen Terror- Anschlag setzt das Gebäude unter anderem Stahl verstärkte Betonwände und mehr Treppenhäuser für eine schnellere Evakuierung entgegen. Der Pächter des Geländes, Larry Silverstein, machte aus seiner Zufriedenheit keinen Hehl: „Das ist einer der stolzesten Momente in meiner Karriere“, sagte der 74-jährige bei der Eröffnung im Mai.

Mit dem Bau des Freedom Towers selbst wurde am 27. April 2006 begonnen. Seine Höhe von 1 776 Fuß (541 Meter) erinnert an die Unabhängigkeitserklärung der USA aus dem Jahr 1 776 – damit wäre er der höchste Wolkenkratzer der Welt. Die eigentliche Turmhöhe wird 417 Meter betragen, darüber folgt eine Antenne. Bis zur Fertigstellung wird der Freedom Tower aber möglicherweise von einem anderen Giganten übertrumpft: In Dubai soll bis 2008 der „Burj Dubai“ fertig gestellt werden, mindestens 700 Meter soll er hoch sein.

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