Grubenunglück in Chile
Wie es nach dem Wunder weiterging

Vor genau einem Jahr wurden 33 chilenische Bergleute aus einer eingestürzten Kupfermine gerettet. Die meisten leiden bis heute unter den Folgen den Unglücks. Nur einer konnte sich seinen Traum vom Glück erfüllen.
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Santiago„Los 33“ - „Die 33“ wurden die Bergarbeiter genannt, die am 13. Oktober 2010 nach 69 Tagen eingeschlossen in der Kupfermine von Copiapo im Norden Chiles gerettet wurden. 33 Männer, die durchgehalten haben, die zusammen gehalten haben. Nach ihrer Rettung würden sie ihre Geschichte gut verkaufen und vermarkten können, würden sie reich werden. So mag manch einer von ihnen gehofft haben, so hat es die Öffentlichkeit erwartet. Es ist anders gekommen. Der Traum vom besseren Leben blieb für 32 von ihnen unerfüllt.

15 der Männer sind seit ihrer Rettung arbeitslos. Vier arbeiten erneut unter Tage und fristen weiterhin ein kärgliches Dasein als Bergleute. Der Rest schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch oder hat sich mit kleinen Läden selbstständig gemacht. Einer trainiert eine Jugend-Fußballmannschaft. Den meisten geht es physisch und psychisch schlecht. Die Frau von Edison Pena, eines der Arbeiter, sagt, ihr gemeinsames Leben sei heute „genauso dunkel wie die Mine dunkel war“.

Wirklich geschafft hat es nur der vor Energie und Optimismus berstende Mario Sepulveda, den die Welt nach seiner Rettung als Stimmungskanone erlebte. Sepulveda hat eine Unternehmensberatung gegründet, lässt einen amerikanischen Public-Relations-Agenten für sich arbeiten und lehrt Manager, wie man in schwierigen Situationen durchhält. Sein Terminkalender ist vor allem mit Dienstreisen in die USA ausgefüllt.

Er und die anderen aus der Gruppe der „33“ haben die Minengesellschaft auf zehn Millionen Dollar (7 Millionen Euro) wegen mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen und die chilenische Regierung wegen schlampiger Aufsicht über die Mine auf 17 Millionen Dollar (12 Millionen Euro) Schadenersatz verklagt. Wann und ob überhaupt jemals Geld fließen wird, ist unsicher. Die Minengesellschaft ist pleitegegangen, und die Regierung weigert sich, irgendeine Schuld einzugestehen. Sie will keinen Präzedenzfall schaffen und womöglich für fehlerhafte Aufsicht in anderen schlampig arbeitenden Unternehmen geradestehen müssen.

Vorarbeiter Luis Urzua zeigte sich enttäuscht, dass er und seine Kollegen sogar angefeindet wurden wegen ihrer Klagen. „Viele meinen, wir sollten froh sein, dass wir gerettet worden sind und ansonsten den Mund halten. Wir sind sehr, sehr dankbar. Aber wir gehen vor Gericht, weil wir der Auffassung sind, dass man Dinge anklagen muss, die nicht korrekt sind“, sagte Urzua, der wie kein anderer die Truppe unter Tage zusammengehalten und zum Durchhalten motiviert hatte.

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