Günter Wallraff
Undercover-Journalist unter Druck

Mit Anzeigen und Gegenanzeigen setzen sich Günter Wallraff und seine Gegner gegenseitig unter Druck. In insgesamt drei Verfahren wird gegen den bekanntesten deutschen Undercover-Journalisten ermittelt.
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KölnDer Enthüllungsjournalist Günter Wallraff und seine Gegner setzen einander mit weiteren Anzeigen unter Druck. Die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach ermittelt, weil Anzeigen gegen Zeugen Wallraffs aus einer Großbäckerei wegen Falschaussagen gestellt wurden. Das berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Sonntag vorab - die Staatsanwaltschaft bestätigte die Ermittlungen. Wallraff seinerseits ließ Anzeige erstatten, weil der Anwalt der Bäckerei angeblich Inhalte aus mutmaßlich illegal mitgeschnittenen Gesprächen Wallraffs in einem Prozess vorgelegt habe. Das berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am Samstag. Wallraffs Anwälte bestätigten die Anzeige wegen der Mitschnitte am Sonntag.

Gegen Wallraff (69, „Ganz unten“) laufen drei Ermittlungsverfahren in Köln, die auf einen ehemaligen Mitarbeiter zurückgehen. Er wirft dem Bestsellerautor vor, ihm Bezahlung vorenthalten und keine Sozialabgaben für ihn gezahlt zu haben. Ein zweites Verfahren dreht sich um mutmaßliche Steuerhinterziehung, ein drittes um Prozessbetrug. Wallraffs Anwälte beschuldigten den Ex-Mitarbeiter am Sonntag in einer schriftlichen Erklärung, bewusst die Unwahrheit zu behaupten, um Wallraff zu diskreditieren. Die Erklärung liegt dpa vor.

Beim Prozessbetrug geht es um Wallraffs Recherchen in der Großbäckerei vor vier Jahren. Der Ex-Mitarbeiter hatte gesagt, er habe auf Anweisung Wallraffs die Unterschrift unter einer eidesstattlichen Versicherung eines Zeugen gefälscht. Wallraffs Anwalt Helmuth Jipp teilte dazu am Sonntag mit, nach Aussage Wallraffs existiere die fragliche Fälschung vom März 2008 nicht. Außerdem habe der Ex-Mitarbeiter erst seit August 2008 für Wallraff gearbeitet.

In diesem Zusammenhang war auch bekanntgeworden, dass Wallraffs Anwälte vorab Blankounterschriften bei Zeugen eingeholt und dann Aussagen, die sie mit ihnen abgestimmt hatten, auf die Dokumente gedruckt hatten. Die Bäckereiseite erstattete nun aber Anzeige in Bad Kreuznach, weil die Zeugen im Prozess versichert hätten, ihre Aussagen ohne fremde Hilfe verfasst zu haben. Jipp erklärte dazu, alle beim Landgericht Köln eingereichten Erklärungen seien von den Zeugen eigenständig verfasst oder mit ihnen abgestimmt worden.

Wallraff hatte seinerseits seinen Ex-Mitarbeiter angezeigt, weil der Gespräche Wallraffs illegal abgehört habe. Inhalte aus diesen Gesprächen sollen nun die Anwälte der Bäckerei in einen Prozess eingebracht haben. Man habe deshalb Anzeige gegen sie erstattet, teilte Jipp mit, weil sie die Vertraulichkeit des Wortes gebrochen hätten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wer mit Hunden das Bett teilt, steht mit Flöhen wieder auf. Die Frage bleibt offen, wer was ist.

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